Twing Raid in Marokko Tag IX

Der Tag der unendlichen Probleme

Die Königsetappe des Twing Raid am Montag wurde zur Materialschlacht. 291 Kilometer, Sand, Steine und 43 Kilometer ohne Navigation. Am Ende kämpften sich beide LGE-Teams ins Camp. Erschöpft, aber immer noch im Rennen.

Menschen schieben gemeinsam ein Auto auf einer Straße, symbolisch für Teamarbeit und Hoffnung in schwierigen Situationen

Da hilft nur Schieben – und Hoffen Foto: Christian Schaack

Montagmorgen. Neues Getriebe. Auto repariert. Heute kann nichts mehr schiefgehen. Denkste. Schon beim Losrollen wirkt der Twingo vorne verdächtig tief, obwohl die Stoßdämpfer eigentlich noch okay sind. Aber Jammern hilft nicht: Königsetappe. 291 Kilometer, davon 123 Kilometer Pisten und 43 Kilometer ohne GPS oder Kompass. Nur Koordinaten, Gradzahl, Bauchgefühl.

Plan war: zwei LGE-Teams, Rad an Rad, Prüfung gemeinsam meistern. Realität: Am Pistenstart kommt raus, dass das Partnerauto nicht vollgetankt ist. Ergebnis: Diego und Gianni verlieren eine Stunde, bevor es überhaupt richtig losgeht.

Wir fahren schon mal los, und merken sofort, was Sache ist: Unser „Teppich“ liegt zu tief, schlägt bei Steinen auf, die eigentlich harmlos aussehen. Also fahren wir wie mit einem rohen Ei unterm Gasfuß. Langsam, vorsichtig, immer lauschend, ob es wieder krachen wird. Es rappelt trotzdem. Beunruhigend. Und dann der erste Sandkasten: fest. Keine Diskussion. Ein halbes Dutzend Helfer steht plötzlich da, Sandschienen werden untergelegt. Beim zweiten Versuch – frei. Der Frosch lebt.

Gianni Mersch mit fragendem Blick, umgeben von Notizen, sucht nach verlorenen Gegenständen im Büro

Gianni Mersch: „Hat hier irgendwer was verloren?“ Foto: Christian Schaack

Gnadenlose Piste

Die Piste bleibt gnadenlos: Steine, Kanten, Wellen, als hätte jemand den Boden mit einem Reibeisen bearbeitet. Ein paar Kilometer später halten wir an, um einem Team bei einer Panne zu helfen. Zwei Jungs aus Clermont-Ferrand, sympathisch. Ihre hinteren Stoßdämpfer sind durchgebrochen, einer hat sogar das Zelt im Kofferraum perforiert. Die Dämpfer waren erst am Vorabend ersetzt worden. Wir haben ein Paar dabei. Alain schraubt, der andere Fahrer hilft. Rallye ist eben auch Teilen, wenn’s ernst wird. Lustig, dass in diesem Moment unser Partnerteam wieder auftaucht. Am Abend bekommen wir die Teile erstattet. Fairness zählt.

Dann kommt die „Krönung“: 43 Kilometer ohne Navigation. Ab jetzt heißt es: Gradzahl halten, Gelände lesen, Nerven behalten. Startkurs: 273 Grad. Zwei Minuten später stellt Gianni fest, dass die Gradzahl 234 sein müsste. Wir sind falsch. Also Abkürzung durchs Feld. Staub. Sicht gleich null. Die Autos verlieren sich.

Zwei Minuten später versanden wir tief. Ein marokkanischer Mann zieht uns mit seinem Toyota heraus. 100 Meter weiter versanden wir noch einmal. Diesmal: Wagenheber, Sandschienen, Anschieben und das Ganze siebenmal, um unseren Teppich zu befreien. Unter der prallen Sonne …

Weite Landschaft mit endlosem Horizont und blauem Himmel, Symbol für unendliche Weiten und Freiheit

Unendliche Weiten Foto: Christian Schaack

Unsterblicher Teppich

Wir schleppen uns weiter, querfeldein mit Zielkoordinaten, zehn Kilometer, ohne einen einzigen Twingo zu sehen. Also zurück auf eine offizielle Piste. Ziel erreicht: eine Dorfgrundschule.

Dort werden wir von aggressiv bettelnden Kindern regelrecht überfallen und können uns nur mit großer Mühe befreien. Für uns ein traumatisches Erlebnis.

Zuletzt bleiben noch 50 Asphaltkilometer, das Gröbste scheint überstanden. Doch wieder ein unerwarteter Aufprall unseres Wagens auf einen Stein. Drei Gänge funktionieren nicht mehr. Also raus, unter den Wagen, Schutzplatten weg, Getriebe freilegen, hoffen: Ein Wunder im Staub. Es lässt sich wieder schalten.

Im Camp angekommen, tauscht Alain die vier Stoßdämpfer, und das Auto ist wieder auf Originalhöhe. Ende gut, alles gut. Wir haben einen sehr anstrengenden Tag überstanden und sind überglücklich. Unser Teppich ist doch irgendwie unsterblich.

Auch der Dienstag scheint ein Horrortrip gewesen zu sein. Doch beide LGE-Teams kamen in Marrakesch an. Darüber morgen mehr.

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