Sonne, Hitze und flirrende Spannung
Der Sommerfilm als flüchtiges Versprechen
Der Sommer bringt das Kino ins Schwitzen. Er legt Figuren bloß, lässt ihre Hemmungen verdampfen, spült unter der Sonne verborgene Sehnsüchte an die Oberfläche. Kaum eine andere Jahreszeit hat so eine sinnliche Beziehung zur Leinwand – nicht durch Effekte, sondern durch Atmosphäre.
Der Sommer als flirrende Oberfläche: Romy Schneider und Alain Delon in „La Piscine“ (1969) Foto: Unzerofilms
Was ist ein Sommerfilm? Es scheint ein gängiger und naheliegender Begriff, doch bei genauerem Hinsehen entzieht er sich einer einfachen Definition. Sicher, es gibt Filme, die im Sommer spielen. Es gibt Blockbuster, die im Sommer erscheinen. Und es gibt das amerikanische Konzept des „Summer Movie“ – oft synonym mit Action, Abenteuer, Popcornkino. „Jaws“ (1975), der Urknall des Blockbuster-Kinos, ist ein Sommerfilm in dieser industriellen Lesart: Strand, Sonne, Ferien – und ein Hai, der alles bedroht. Doch der Sommerfilm, in einem engeren Sinne, meint etwas anderes. Nicht ein Genre, nicht ein industrielles Vermarktungskonzept, sondern eine Empfindung. Eine Art Kino, das weniger Handlung, sondern vielmehr Atmosphäre in den Mittelpunkt stellt. In dem nicht nur Sommer ist, sondern Sommer gespürt wird. Ein Kino der flirrenden Hitze, der verlangsamten Bewegungen, der Körper, die sich sonnen, schweigen, begehren: zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen Realität und Fantasie, zwischen Kontrolle und Ekstase.