Musiktipps

Deadletter serviert Punk zum Saxofon und die Allstars singen für Kinder in Not

Das Sextett Deadletter präsentiert sein neues Album „Existence is Bliss“, eine Gruppe bekannter Stars trotzt den Krisenzeiten mit der Neuauflage des Charity-Albums „Help“. Wer musikalisch überzeugt.

Das Album Existence Is Bliss erhält von Kai Florian Becker 8 von 10 Punkten

Das Album „Existence is Bliss“ erhält von Kai Florian Becker 8 von 10 Punkten Quelle: So Recordings

Deadletter

Obwohl ihr Debütalbum „Hysterical Strength“, das im September 2024 auf den Markt kam, noch gar nicht so alt ist, gibt es nun bereits Nachschlag. Deadletter, die im Jahr 2000 von den langjährigen Freunden Zac Lawrence (Gesang), George Ullyott (Bass) und Alfie Husband (Schlagzeug) gegründete Band, gönnt sich keine Pause.

Auf „Existence is Bliss“ gelingt es ihnen erneut, das Saxofon in zeitgemäße Art-Punk-Songs zu implementieren, ohne dass dies stört oder nervt. Das mag dennoch nicht jedem gefallen, aber genau das ist der sogenannte „unique selling point“ des Sextetts. Ach ja, zu dem Gründungstrio haben sich mittlerweile Will King, Sam Jones (beide Gitarre) und Poppy Richler (Saxofon) dazugesellt. Und deren Einflüsse sind in der Summe besonders, genauer gesagt beziehen sich Deadletter auf The Fall, Gang Of Four, The Stranglers, Captain Beefheart, Talking Heads und Can. Drunter machen sie es nicht.

Ihre Songs bestehen aus mehreren Schichten, jede einzelne für sich spannend. Übereinandergestapelt ergeben diese auch Sinn, wenn wie in „It Comes Creeping“ erst das Saxofon im Freistil gespielt wird, dann Schlagzeug und Bass die Rhythmusstruktur vorgeben, durch Effektgeräte gejagte Gitarren Akzente setzen und über alledem Sänger Lawrence in Gemütsruhe seine Texte ins Mikrofon singt. Aber der dritten Minute wird es noch angenehm wild. Faszinierend.

Und falls dieser Song einem doch zu viel abverlangt, darf man sich im direkten Anschluss bei dem harmonischen, balladesken „What The World Missed“ erholen, in dem Lawrences Stimme entfernt an die von Mike Patton (Faith No More) erinnert. Zwischen diesen beiden Polen toben sich Deadletter genüsslich aus und haben hörbar Spaß.


HELP (2)

Musiker, die zu Spenden aufrufen, karitative Aktionen initiieren oder sich an solchen beteiligen, gibt es gefühlt schon immer. In der heutigen Zeit, in der Meldungen über Krisen und Katastrophen im gefühlten Stundentakt auf uns einprasseln, verliert man jedoch schnell den Überblick über die Vielzahl an solchen Charity-Aktionen.

Am 8. September 1995 nahmen 20 britische Acts wie Radiohead, Oasis, Sinead O’Connor, Suede und die Stereo MCs in verschiedenen Studios neue Songs auf, die tags drauf auf dem Benefiz-Sampler „Help! A Day In The Life“ erschienen. Initiiert von der Organisation War Child UK, kamen so über 1,25 Millionen Pfund zusammen, die Tausenden von Kindern, die vom Bosnien-Konflikt betroffen waren, zugutekamen.

Im November 2025 gingen wieder zahlreiche Acts ins Studio, um ihren Beitrag für die Nachfolge-Kompilation „Help (2)“ aufzunehmen. Diesmal entstanden unter der kreativen Leitung des Filmemachers Jonathan Glazer und Produzent James Ford 23 Songs, teils in Kooperation mit mehreren und diesmal auch nicht nur britischen Acts. Die US-Indierocker Big Thief sind mit dem hypnotischen „Relive, Redie“ vertreten. Sie gesellen sich zu den altehrwürdigen Pulp, die mit dem schmissigen „Begging For Change“ einen der besten Songs abgeliefert haben. Mit dabei sind auch Fords Schützlinge Arctic Monkeys, die das Album mit „Opening Night“, ihrem ersten neuen Song in vier Jahren, eröffnen. Damon Albarn tat sich mit Fontaines DC-Sänger Grian Chatten und Kae Tempest zusammen, um „Flags“ aufzunehmen. Chattens Band ist zudem mit dem Sinéad O’Connor-Cover „Black Boys On Mopeds“ zu hören. Die großartige Anna Calvi nahm mit Wolf Alice-Sängerin Ellie Rowsell, Nilüfer Yanya und Dove Ellis „Sunday Night“ auf. Und Depeche Mode covern in ihrem Stil „Universal Soldier“, den 1965er Antikriegs-Folksong von Donovan.

Alle Musiker lieferten ab. Die Erlöse ihrer Pro-Bono-Arbeit sollen für schnelle Nothilfe, Bildungsangebote, spezialisierte psychosoziale Unterstützung und Schutz für Kinder, die weltweit von Krieg und Konflikten betroffen sind, genutzt werden. Eine wichtige und absolut unterstützenswerte Charity-Aktion.

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