Luxemburger Tierfotograf

Das Schnabeltier: Vogel, Reptil oder nun doch Säugetier?

Das Schnabeltier hat, wie sein Name es schon verrät, einen Schnabel, legt Eier und die Männchen besitzen Giftstachel, doch trotzdem handelt es sich bei dieser besonderen Art um ein Säugetier.

Schnabeltier schwimmt im klaren Wasser des Hobart Rivulet in Tasmanien, ideal zum Beobachten von Schnabeltieren.

Ein Schnabeltier im Hobart Rivulet (Tasmanien), einer der besten Orte, um Schnabeltiere zu beobachten Foto: Sören Salvatore

Nachdem sich vor ungefähr 300 Millionen Jahren Säugetiere und Reptilien evolutionär trennten, haben sich Kloakentiere, zu denen auch das Schnabeltier gehört, als eine der ältesten Ordnungen der Säugetiere abgespalten. Heute gibt es insgesamt noch fünf Arten in dieser Ordnung: vier Ameisenigel, die in Australien sowie Neuguinea vorkommen und das Schnabeltier, das nur an der Ostküste Australiens und auf Tasmanien lebt. Sie sind die einzigen lebenden Vertreter der sogenannten Ursäuger.

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Sören Salvatore vor malerischer Kulisse in Hobart, Tasmanien, neue Heimat mit Natur und Stadtansicht

Sören Salvatore in seiner neuen Heimat Hobart, Tasmanien Foto: Sören Salvatore

Anfang 2023 ist Sören Salvatore, passionierter Ornithologe und Naturfotograf, nach Tasmanien ausgewandert. Hier lebt der Luxemburger in der Stadt Hobart mit seiner kanadischen Partnerin, arbeitet als Wildökologe und führt Vogelbeobachtungs-Touren.

Schnabeltiere können sehr scheu sein und sind nicht so einfach zu Gesicht zu bekommen. Sie leben sowohl in fließenden als auch in stillen Gewässern und verschwinden tagsüber meist in ihrem unterirdischen Bau. Kurz vor der Abenddämmerung ist oft die beste Zeit, ein Schnabeltier zu sehen. Dann verlassen sie nämlich ihren Bau, um in den Gewässern auf die Jagd zu gehen. Unter Wasser suchen sie nach Würmern, Krabben oder Insektenlarven. Doch bevor sie abtauchen, schließen sie ihre Augen und Ohröffnungen.

Wie finden sie denn nun ihre Beute, ohne zu sehen oder zu hören? Schnabeltiere haben sehr empfindliche Elektro- und Mechanorezeptoren an ihrem Schnabel. So können sie schwache elektrische Signale, ausgelöst durch Muskelbewegungen ihrer Beute, wahrnehmen. Die Tastkörperchen, die feinste Bewegungen unter Wasser spüren, sind mit den Elektrorezeptoren gekoppelt. So steuern Schnabeltiere ihre Beute zielgenau an und schnappen im richtigen Moment zu. Mahlplatten im Schnabel zerkleinern die Beute. Danach geht die geschluckte Beute direkt in den Darm, denn Schnabeltiere haben keinen Magen. Als wäre all das noch nicht sonderbar genug, leuchten sie auch noch blau unter UV-Licht. Warum, weiß man allerdings noch nicht genau.

Schnabeltier unter Wasser jagt Würmer, Krabben und Insektenlarven in natürlichem Lebensraum

Unter Wasser jagen Schnabeltiere nach Würmern, Krabben und Insektenlarven Foto: Sören Salvatore

Wo findet man denn jetzt am besten diese außergewöhnlichen Tiere? Mit seiner neuen Heimat Hobart (Tasmanien) hat Sören Salvatore, Biologe und Naturfotograf einer der besten Orte ausgesucht, um Schnabeltiere zu beobachten. Direkt an seiner Wohnung vorbei fließt nämlich der Hobart Rivulet, ein kleiner Bachlauf, in dem mehrere Schnabeltiere leben. An Stellen, wo der Bach etwas tiefer ist und sich genügend Sediment und kleine Steine ansammeln, jagen die Schnabeltiere am liebsten. Hier legt sich der Fotograf nah am Ufer auf die Lauer und muss nur warten, bis sich die Tiere kurz vor Sonnenuntergang aus dem Bau trauen. Wenn man sich dann still und ruhig verhält, lassen sich die Schnabeltiere oft ungestört und über längere Zeit beobachten.

Schnabeltier liegt auf Stein und kratzt sich zwischen zwei Tauchgängen im natürlichen Lebensraum

Zwischen zwei Tauchgängen legt sich das Schnabeltier auf einen Stein und kratzt sich kurz Foto: Sören Salvatore

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