Kritik
Corona-Literatur: Platzpatronen oder Perlen?
Was taugen die Corona-Neuerscheinungen, die nun die Regale der Buchhandlungen füllen? Kann man zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon aussagekräftige Werke über die Pandemie schreiben? Drei exemplarische Werke auf dem Prüfstand.
Schon einige Monate nach Beginn des Lockdowns tauchten die ersten Corona-Texte auf dem Büchermarkt auf. Jetzt sind es noch weitaus mehr. Symbolbild: Pixabay
Corona-Literatur. Geschrieben in der Pandemie, über die Pandemie. Was wollen diese Werke? Was können sie leisten? Von Menschen, die sich in der Literaturszene bewegen, gleichsam misstrauisch beäugt, poppen nun immer mehr Titel, die von dem Covid-19-Virus handeln, in den Verlagsprogrammen auf. Hinter dem Stirnrunzeln der Branchenleute steht oft die Annahme, dass es Zeit braucht, um einen historischen Moment auf angemessene Weise künstlerisch aufzuarbeiten, dass zuerst Distanz gewonnen werden muss, um ein Ereignis mit epochaler Bedeutung gedanklich zu filtrieren und das Ergebnis schließlich in die richtige literarische Form zu gießen. „Um gute Literatur zu schaffen, braucht man Geduld“, sagte einmal ein Luxemburger Autor bei einem Treffen in der Hauptstadt. Der Satz, der nebenbei gefallen war, birgt den Hauptkritikpunkt, den man gegen die schon erschienenen Corona-Texte ins Feld führen kann: Ihnen fehlt die Vogelperspektive auf das Geschehen, die nur durch einen zeitlichen Abstand gewonnen werden kann, und damit auch den nötigen Tiefgang – oder nicht?