Rockhal in Esch

Bob Dylan kommt nach Luxemburg: Auf den Spuren eines Abwesenden

Einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts steht am Freitag in Luxemburg auf der Bühne. Das Leitmotiv seines Werks lautet seit Jahrzehnten: „I’m not there“. Eine Huldigung an Bob Dylan und ein Leben voller Hakenschläge.

Am Freitag in der Escher Rockhal zu Gast: Musiklegende Bob Dylan, hier bei einem Auftritt in Basel im Juni 1984

Am Freitag in der Escher Rockhal zu Gast: Musiklegende Bob Dylan, hier bei einem Auftritt in Basel im Juni 1984 Archivfoto: Str/KEYSTONE/epa/dpa

Der Schlüssel zu Bob Dylans Werk liegt in einem Keller. Genauer: Im Keller von „Big Pink“, dem Haus in West Saugerties, New York, in das Dylan 1967 ein Jahr nach seinem schweren Motorradunfall von der Weltbühne verschwunden ist. „Big Pink“, in dessen Keller er mit seiner Band The Band jammt. „The Basement Tapes“ heißt das Ergebnis, es wird erst acht Jahre später, 1975, veröffentlicht. Die Musik, die Dylan zusammen mit Robbie Robertson, Levon Helm, Rick Danko, Richard Manuel und Garth Hudson in „Big Pink“ spielt, ist der zweite große Hakenschlag in einem Jahrzehnt.

Was aus diesem Keller nach oben dringt, ist weder Bürgerrechtslyrik noch Beat-Dada, weder Protestsongs noch Rock ’n’ Roll. Es ist etwas radikal Neues – und gleichzeitig ein Hauch aus dunkler Vergangenheit. Geister aus US-amerikanischer Prähistorie spuken durch diese Songs, ein kollektiver Traum aus Folk, Hillbilly, Blues und Gospel, aus Arbeitersongs, Kinderreimen und Saufliedern. Der berühmte US-amerikanische Musikjournalist Grail Marcus nennt es eine „kulturelle Landkarte eines versunkenen, eines archaischen und anarchischen Amerika der Tramps, Outlaws und schrägen Vögel“. Dylan springt kopfüber in den Mythenschatz seines Landes. Später wird man Musik wie diese Americana nennen.

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