Düdelingen

Bis zu 400 Betriebe: Neuer „Handwierkerhaff“ ersetzt Liberty Steel

Der Süden Luxemburgs bekommt seinen ersten Handwerkerhof. Auf dem Gelände des Liberty-Steel-Werks in der Industriezone Wolser B sollen zunächst Hallen renoviert und später zwei große neue Gebäude entstehen. Langfristig könnten dort bis zu 400 Handwerksbetriebe mit 3.000 bis 3.500 Beschäftigten arbeiten.

Ehemaliges Liberty-Steel-Werk in Wolser, Industriezone, Umbau zum modernen Handwerkerhof im Gewerbegebiet

Das Gelände des ehemaligen Liberty-Steel-Werks in der Industriezone Wolser soll zu einem Handwerkerhof umgebaut werden Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Der Süden Luxemburgs bekommt seinen ersten Handwerkerhof – allerdings nicht in Esch, wo ein solches Projekt seit Jahren diskutiert wird, sondern in Düdelingen. Der Staat hat das leer stehende Gelände des seit November 2024 insolventen Werks Liberty Steel in der Industriezone Wolser B für 14,5 Millionen Euro gekauft. Wirtschaftsminister Lex Delles (DP), Düdelinger Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP), Bettemburger Schöffe Alain Gillet (CSV), Vizepräsident der „Chambre des métiers“ Paul Nathan und Präsident der „Fédération des artisans“ Luc Meyer stellten das neue Projekt am Donnerstagmorgen vor.

Der „Handwierkerhaff“ erfüllt laut Delles mehrere Ziele. „Erstens: dass wir die Fläche effizient nutzen. Zweitens: dass wir Infrastrukturen teilen. Drittens: dass wir Synergien zwischen den verschiedenen Handwerksbetrieben schaffen können“, sagte der Wirtschaftsminister während der Präsentation. Damit sich Betriebe möglichst schnell ansiedeln können, will der Staat Bau- und Renovierungsarbeiten in mehrere Phasen aufteilen.

Staatliches Gelände von Liberty Steel mit Fabrikgebäuden und Industrieanlagen im Hintergrund

Der Staat hat das Gelände von Liberty Steel abgekauft Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Phase 1: renovierte Hallen

Vizepräsident Paul Nathan, Bürgermeister Dan Baincalana, Wirtschaftsminister Lex Delles und weitere bei Präsentation des Handwerksprojekts

Vizepräsident der „Chambre des métiers“ Paul Nathan, Düdelinger Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP), Wirtschaftsminister Lex Delles (DP), Bettemburger Schöffe Alain Gillet (CSV) und Präsident der „Fédération des artisans“ Luc Meyer (v.l.n.r.) präsentierten das Projekt Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Ein Teil der bestehenden Hallen soll ab kommendem Jahr schrittweise für zehn bis zwölf Millionen Euro renoviert werden. Die Kosten, die der Staat vorstreckt, sollen innerhalb von zehn bis 15 Jahren über die Mieten der Betriebe gedeckt werden. Die ersten Unternehmen sollen 2028 einziehen. Laut Delles bietet die Fläche Platz für 15 Betriebe mit insgesamt rund 280 Beschäftigten. Eine Kommission soll die Unternehmen nach einer Ausschreibung Ende 2026 im Jahr darauf auswählen.

Nach dieser ersten Phase ist auf einem angrenzenden Gelände von 2,5 Hektar ein neues Gebäude geplant. Der Bau soll rund 30 Meter hoch werden, fünf Stockwerke umfassen und eine Fläche von etwa 80.000 Quadratmetern bieten. Ein zentrales Element des Projekts ist die Verdichtung der bestehenden Industriefläche. Lastwagen sollen direkt in das Gebäude fahren können. Die drei unteren Stockwerke, die für handwerkliche Tätigkeiten vorgesehen sind, sollen im Innern durch Rampen und Straßen verbunden sein. Geplant ist zudem ein separates Parkhaus.

Die Betriebe, die zunächst in den renovierten Hallen untergebracht sind, sollen nach Fertigstellung des Neubaus dorthin umziehen. Anschließend würden die alten Hallen abgerissen und durch ein weiteres Gebäude gleichen Typs ersetzt. Einen Zeitplan oder eine Kostenschätzung für den Neubau konnte Delles noch nicht nennen. Nach Abschluss der Arbeiten könnten sich rund 400 Unternehmen mit insgesamt 3.000 bis 3.500 Beschäftigten auf dem früheren Gelände von Liberty Steel ansiedeln.

Visualisierung des zukünftigen Baugeländes nach Fertigstellung des ersten Gebäudes im modernen Baustil

So soll das Gelände nach dem Bau des ersten Gebäude aussehen Screenshot: Präsentation Wirtschaftsministerium

Wichtig für die Gemeinde

„Wir haben momentan 10.400 Arbeitsplätze auf dem Gebiet der Stadt“, sagte Bürgermeister Dan Biancalana. Das Projekt sei wichtig für den Raum Düdelingen und Bettemburg – nicht nur wegen der Arbeitsplätze, sondern auch wegen möglicher Synergien. So könne er sich etwa Kooperationen mit dem Düdelinger Lycée vorstellen, dessen Schüler im Handwerkerhof eine Ausbildung absolvieren könnten.

Auch die Innenstadt könnte profitieren. Einige Handwerksbetriebe, die „teilweise zu Belästigungen führen können“, befinden sich noch in Wohnvierteln. Diese könnten – sofern Interesse besteht – in die Industriezone umziehen.

Für die Gemeinde bringe die Verdichtung des ehemaligen Liberty-Steel-Geländes auch finanzielle Vorteile. „Die Zahl der Arbeitsplätze wird bei der Berechnung des staatlichen ‚Fonds de dotation globale des communes‘ berücksichtigt. Auch die Gewerbesteuer kann davon profitieren“, sagte Biancalana.

Lastwagen fährt durch das offene Gebäude des Handwerkerhofs, bequeme Zufahrt und Warenanlieferung sichtbar
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Lastwagen könne durch das Gebäude des Handwerkerhofes fahren

© Screenshot: Präsentation Wirtschaftsministerium

Dreistöckiges Gebäude mit drei Werkstatt-Etagen und zwei Bürogeschossen für handwerkliche Tätigkeiten und Verwaltung
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Drei Stockwerke sind für handwerkliche Tätigkeiten vorgesehen, zwei für Büros

© Screenshot: Präsentation Wirtschaftsministerium

Große Nachfrage

„Es fehlt unseren Betrieben an geeigneten Flächen, um zu produzieren, zu lagern und zu wachsen“, sagte Paul Nathan, Vizepräsident der „Chambre des métiers“. Um diesen Bedarf zu quantifizieren, führte die Handwerkskammer Anfang 2025 eine Umfrage unter ihren Mitgliedern durch. Demnach sind derzeit 22 Prozent der befragten Betriebe auf der Suche nach einem neuen Standort. „Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein.“

Als Gründe nannten 70 Prozent fehlende Lagermöglichkeiten, rund die Hälfte mangelnde Büroräume und 39 Prozent zu wenig Platz für die Produktion. Laut Umfrage suchen 28 Prozent der Handwerksbetriebe im Kanton Esch/Alzette nach geeigneten Flächen, 26 Prozent im Kanton Luxemburg. „Der Süden des Landes ist also besonders gefragt als Standort“, sagte Nathan. Mit dem Handwerkerhof in Wolser will der Staat genau auf diesen Bedarf reagieren.

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