Twing raid Tag II und III
Auf nach Algeciras: Alle luxemburger Teams noch dabei
Die zwei LGE-Twingos sind weiter unterwegs. Von Poitiers zum Treffpunkt in Irun bei San Sebastián. Dort war gestern der offizielle Start der Solidaritätsrallye Twing Raid. Ziel: Algeciras nahe Gibraltar, dann per Schiff nach Marokko. Erfahrungsbericht, Teil 2.
Zwei stattliche Parkplätze restlos voll mit Twingos, eine statische Blechlawine der besonderen Art in Irun (Spanien) Foto: Christian Schaack
Montag. Abfahrt Poitiers. Unser „Fliegender Teppich“ läuft weiterhin großartig. Ein 24 Jahre alter Renault Twingo als Reisegefährte – entschleunigter kann man kaum unterwegs sein. 120 km/h als natürliche Obergrenze hat fast etwas Philosophisches: keine Radar-Sorgen, viel Zeit zum Denken, bewussteres Fahren. Fast schon meditativ.
Auch die zwei verlorenen Schutzgummis an den linken Radkästen beim anderen Team gehören wohl in die Kategorie „Charakterbildung für Mensch und Maschine“. Solange er technisch weiter prima läuft, darf ein alter Twingo unterwegs ruhig ein paar Teile verlieren.
Die Organisation der Zulassung mit acht Kontrollstationen war beeindruckend – Sticker, Tracker im Cockpit, technische Checks, Dokumentenkontrolle – und das alles locker, sympathisch und mit guter Stimmung. Eine perfekte Mischung aus Professionalität und Humor. Das geschenkte T-Shirt ist fast schon ein kleines gelbes Ritterschlag-Abzeichen, passend zu unserem Twingo.
Die unvorhergesehene Programmänderung für die beiden ersten Tage hingegen ist natürlich ein kleiner Dämpfer: Insgesamt 1.100 km, kein Stopp in Salamanca und dafür Algeciras bereits um 15.00 Uhr erreichen – 650 km ab Salamanca sind mit dem Twingo eben keine Autobahn-Etappe im Eiltempo. Unser Hotel ist jedoch in Salamanca reserviert, ein notwendiger 6.00-Uhr-Start klingt daher sportlich. Jeder Tag bringt weiterhin Überraschungen. Und jeder Tag schreibt seine eigene Geschichte.
Dienstag
Dienstag war D-Day. Endlich ging’s los! Das Ausstellungsgelände von Irun dient als Austragungsort mit Déjà-vu-Effekt. In der Tat fand die Zulassungsprozedur am Montag an gleicher Stelle statt. Doch am Dienstag sind alle Teams mitsamt ihren Twingofröschen da! Zwei stattliche Parkplätze restlos voll, eine statische Blechlawine der besonderen Art sticht ins Auge. Wohin der Blick auch schweift tun sich visuelle Leckerbissen und mechanische Unikums der Extraklasse auf. Karnevalsartig Verkleidete posieren vor Mad-Max-, Rallye- oder Barbiekutschen, eine Menge Verrücktes, viel Sinnloses und abartig Übertriebenes, die Twing Raid zeigt sich hier von seiner exzentrischen Seite. Doch überall gute Laune, Begeisterung, stolze Blicke, freundliche Worte, witzige Gesten, überdimensionierte Zeigefingerhandschuhe und humorvolle Schriftzüge. Ein lustiges Durcheinander, eigentlich noch viel lustiger als Disney’s Taschenbücher! Dieses Gewühl besteht jedoch nur noch aus 430 Teams, die 17 Nationen angehören. Zwölf Teilnehmer haben leider krankheitshalber oder pannenbedingt die Anreise nicht überstanden. Die insgesamt vier Luxemburger Teams bleiben jedoch im Rennen.
Jubel beim Start
Pünktlich um 11.45 Uhr legen die zwei Hauptorganisatoren mit der offiziellen Ansprache los. Redner und Twing-Raider feuern sich gegenseitig an. Ungewollt komisch wurde es mit dem dritten Gastredner, dem aus dem französischen Baskenland angereisten Jean Lassalle. Dieser meinte halt, dass jeder eine Dromedarin zugute hätte, weil, wie jeder weiß, Letztere allzeit bereit wären, die fehlende Tragkapazität der Twingos zu ergänzen. Der Rest seiner Rede war übrigens genauso peinlich.
Unter immensem Jubel wurde abschließend die Rallye per Countdown eröffnet. Alle „Ladies and Gentlemen“ starteten ihre „Engines“, ein Team aus Marseille schoss wie besessen Feuerwerksraketen in den Himmel und schon rollte die Karawane nach Marokko.
Unser Tagesziel sollte nach zwischenteamlicher Absprache in 603 km Distanz Plasencia statt Salamanca werden. Diese Umplanung wird uns am Mittwoch die Hafenstadt Algeciras gelassener erreichen lassen … Hoffentlich, denn am Dienstag standen bereits nach zwei Kilometern zwei Twingos mit Panne am Straßenrand.

Offizielle Zeremonie in Irun: Nur noch 430 Teams gehen an den Start Foto: Christian Schaack