Ouschteren

Auf Safari durch die Hauptstadt – Tierische Spurensuche durch Luxemburgs Geschichte und Traditionen

Wenn in Luxemburg-Stadt trotz ein paar Regentropfen der Frühling anklopft, verwandelt sich die Altstadt in ein Spielfeld voller Geschichten. Vom 28. März bis 5. April 2026 lädt das Luxembourg City Tourist Office zur „Oster-Safari“ – einer zweistündigen Stadtführung, die Kinder hineinführt in einen urbanen Dschungel aus Tieren, Traditionen und überraschenden Fun Facts.

Löwenstatue vor Luxerburger Rathaus als Symbol für Stärke und historische Wappendarstellung Luxemburgs

Die Löwen vor dem Rathaus: Symbol für Stärke – und Ausgangspunkt für eine Reise durch Luxemburgs Geschichte Foto: Carole Theisen

Zwischen Kopfsteinpflaster und Palastmauern beginnt dieser Tage eine Reise, die eher nach Savanne klingt als nach Stadtführung. „So wie man in Afrika Tiere beobachtet, kann man auch hier eine Safari machen und viele verschiedene Tiere entdecken“, erklärt Stadtführer Patrick François zum Auftakt, eher er die Gruppe vom Knuedler aus durch Gassen, Plätze und Museen führt. Zwei Stunden lang wird Luxemburg-Stadt zum „Großstadtdschungel“ – mit Löwen, Füchsen und Einhörnern, versteckt im Detail der Architektur. Das Tageblatt war am vergangenen Samstag dabei und hat sich selbst auf Spurensuche begeben.

Organisiert vom Luxembourg City Tourist Office, lädt die Oster-Safari noch bis Anfang April Familien dazu ein, die Stadt aus einer neuen Perspektive zu erkunden. Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren suchen gemeinsam mit ihren Eltern nach Tieren, die sich in Fassaden, Brunnen oder Skulpturen verstecken.

Tiere erzählen Geschichte

Der Einstieg erfolgt direkt auf dem „Knuedler“. Noch bevor es richtig losgeht, stellt François eine Aufgabe: Drei Tiere sollen auf dem Platz gefunden werden. „Schaut genau hin – sie sind hier, aber man muss sie entdecken“, sagt er. Die Kinder laufen los, zeigen, diskutieren.

Auf Safari durch die Hauptstadt – Tierische Spurensuche durch Luxemburgs Geschichte und Traditionen

Foto: Carole Theisen

Die Mischung aus Spiel und Wissen ist bewusst gewählt. Statt trockener Fakten setzt die Führung auf Dialog. So zum Beispiel beim ersten Tier, dem Löwen vor dem Rathaus: Der Löwe steht hier nicht zufällig. Als „König der Tiere“ passt er zu dem Gebäude, in dem mit der Bürgermeisterin die politische Spitze der Stadt arbeitet. Gleichzeitig ist der Löwe ein zentrales Symbol Luxemburgs – er findet sich auch auf der historischen Flagge des Landes sowie in den Wappen anderer Staaten wieder. „Der Löwe steht für Stärke“, erklärt François. „Aber er ist auch ziemlich faul – jagen tun nämlich die Löwinnen.“ Ein Kind wirft sofort ein: „Dann frisst er trotzdem zuerst!“ – und liegt damit nicht falsch.

Eine Teilnehmerin, Mutter Lynn, war zunächst unsicher, was sie erwartet. „Ich wusste ehrlich gesagt nicht genau, worauf ich mich einlasse“, sagt sie. „Ich dachte eher, wir gehen einfach alleine auf Suche. Aber dass ein Reiseführer dabei ist, gefällt mir richtig gut. Es ist eine schöne Art, die Stadt neu zu entdecken. Und die Kinder lernen dabei ganz nebenbei.“ Zwischendurch gibt es kleine Pausen und das ein oder andere Schokoladenei – genug, um die Aufmerksamkeit zu halten, ohne zu überfordern.

Fuchsfigur am Michel-Lentz-Brunnen, inspiriert vom literarischen Werk „Renert“, detailreich und historisch gestaltet

Der Fuchs am Michel-Lentz-Brunnen: eine Figur mit literarischem Hintergrund – inspiriert vom „Renert“ Foto: Carole Theisen

Die Route führt quer durch die Hauptstadt, vorbei an historischen Orten wie dem Palais, den Kasematten oder entlang der Alzette. Immer wieder werden Tiere zum Ausgangspunkt für größere Zusammenhänge.

Am Michel-Lentz-Brunnen wird der Fuchs zur literarischen Figur. „Der ,Renert‘ war eines der ersten Werke auf Luxemburgisch“, erklärt François. In dieser Geschichte sprechen Tiere wie Menschen und stehen stellvertretend für verschiedene Charaktere der Gesellschaft. „So konnte der Autor Kritik üben, ohne jemanden direkt anzugreifen“, sagt er. Auch kleine Anekdoten bleiben hängen. So basiert die Fuchsfigur auf einem ungewöhnlichen Modell: „Der Künstler, der diese Statue angefertigt hat, hat keinen echten Fuchs gefunden, der lange genug stillhielt – also hat er einfach seinen Hund genommen.“

Zentrales Element der Safari ist das „Péckvillchen“, die allseits bekannte handgefertigte Tonpfeife in Vogelform. Immer wieder stoßen die Kinder auf Körbchen mit den bunten Figuren. „Diese Vögel sind alle unterschiedlich“, erklärt François. „Sie werden von Hand gemacht, jedes Stück ist ein Unikat.“ Die Tradition reicht weit zurück und ist eng mit dem Osterfest verbunden, insbesondere mit dem „Éimaischen“-Markt am Ostermontag. Für die Kinder wird die Suche nach den „Péckvillchen“ schnell zum Höhepunkt. Gleichzeitig vermittelt sie kulturelles Wissen.

Ein Einhorn als Apothekensymbol

Neben historischen Fakten tauchen immer wieder Legenden auf – etwa die Geschichte der Melusina – halb Frau, halb Fisch –, die bis heute Teil der lokalen Erzählkultur ist. Auch unscheinbare Details bekommen Bedeutung. Ein Einhorn an einer Fassade entpuppt sich als ehemaliges Apothekensymbol. „Man glaubte früher, dass Einhörner heilende Kräfte haben“, erklärt François.

Melusina Figur halb Frau halb Fisch bei Safari Dekoration mit mystischem Wasserwesen Motiv

Auch die Melusina – halb Frau, halb Fisch – gehört zur Safari Foto: Carole Theisen

Am „Roude Pëtz“ entfaltet sich ein Stück Festungsgeschichte. „Hier gab es früher einen sehr tiefen Brunnen, der die Soldaten mit Wasser versorgte“, erklärt der Guide. Luxemburg war einst eine stark befestigte Stadt und die Wasserversorgung war überlebenswichtig. Um das Wasser aus der Tiefe nach oben zu befördern, nutzte man eine große Laufradkonstruktion – ähnlich einem Hamsterrad. „Die Soldaten mussten darin laufen, um das Wasser nach oben zu ziehen“, sagt François. Oft waren es Strafarbeiten. Heute erinnert nur noch der Name des Platzes an diese Zeit.

Am Ende der Tour sind die Kinder ausgelaugt, aber begeistert. „Das war richtig gut – wir haben viel gelernt“, sagt eines der Kinder. Auf die Frage nach dem Lieblingstier kommen die Antworten schnell: „Der Löwe!“, „Der Fuchs!“, „Das Einhorn!“

Am Anfang war es eine Schnecke. Aber das kam nicht gut bei den Abgeordneten an, weil es so wirkte, als würde man sagen: Hier wird langsam gearbeitet.

Patrick François

Stadtführer

Doch auch für die Erwachsenen hält die Safari Überraschungen bereit. Immer wieder streut Guide François kleine Anekdoten ein, die selbst Einheimische so noch nicht gehört haben. Etwa zur Eidechse an der hinteren Fassade des Parlamentsgebäudes. „Der Steinmetz hatte am Ende der Arbeiten noch etwas Zeit und wollte ein kleines lustiges Detail an der Fassade anbringen. Am Anfang war es eine Schnecke“, erzählt François. „Aber das kam nicht gut bei den Abgeordneten an, weil es so wirkte, als würde man sagen: Hier wird langsam gearbeitet.“ Da mussten alle kurz schmunzeln – denn mit einem Augenzwinkern hätte die Schnecke eigentlich auch ganz gut gepasst.

Doch wir wollen nicht zu viel verraten, denn wer Lust hat, kann in den kommenden Tagen selbst auf Safari gehen.

Oster-Safari

Luxemburgisch: 3. und 4. April (jeweils 14.30 Uhr)

Deutsch: 5. April (jeweils 15.00 Uhr)

Französisch: 31. März (14.00 Uhr), 4. April (15.00 Uhr)

Englisch: 2. und 5. April (jeweils 14.30 Uhr)

Dauer: zwei Stunden

Startpunkt: place Guillaume II (LCTO)

Teilnehmerzahl: max. 20 Personen pro Führung

Tickets sind online und vor Ort beim Luxembourg City Tourist Office erhältlich.

Auf Safari durch die Hauptstadt – Tierische Spurensuche durch Luxemburgs Geschichte und Traditionen
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© Foto: Carole Theisen

Steinerne Eidechse versteckt am historischen Parlamentsgebäude in der Innenstadt bei Sonnenschein
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Am Parlament versteckt sich eine steinerne Eidechse

© Foto: Carole Theisen

Auf Safari durch die Hauptstadt – Tierische Spurensuche durch Luxemburgs Geschichte und Traditionen
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© Foto: Carole Theisen

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