Literatur
Auf Kollisionskurs: Christoph Heins „Das Narrenschiff“ erzählt vom Innenleben der DDR-Elite
Christoph Hein erzählt in „Das Narrenschiff“ die Geschichte der DDR aus der Perspektive der sozialistischen Nomenklatura, die den Untergang kommen sieht. Ein erhellender Roman, der Geschichte nicht wertet, sondern sie in den Gedanken und Gesprächen seiner Protagonisten vorstellt.
Bruderkuss zum 40-jährigen Staatsjubiläum der DDR: Michail Gorbatschow (l.) und Erich Honecker Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Es ist jetzt bald 35 Jahre her, dass sich am 3. Oktober 1990 die beiden deutschen Staaten zur großen Bundesrepublik vereinigten. Der Optionen gab es damals zwei: Ein Beitritt der sich im desolaten Zustand befindlichen DDR nach Artikel 23 des westdeutschen Grundgesetzes oder die Aufhebung eben dieses Grundgesetzes nach Artikel 146, um beiden beitretenden Familienmitgliedern die Chance zu geben, sich eine gemeinsame und ausgewogene Verfassung zu geben. Wie die Geschichte zeigte, neigte der große Bruder aus Bonn am Rhein dazu, die kleine Schwester aus Ost-Berlin zum Beitritt zu bewegen. Das Wort „Anschluss“ vermied man seinerzeit, weil es seit Österreich 1938 schlecht beleumundet war.