CIS Findel

„Am Flughafen arbeiten Menschen rund um die Uhr – er schläft nie“, auch nicht an Weihnachten

Im Jahresdurchschnitt gibt es am Flughafen Findel über 80.000 Flugbewegungen. Dazu zählen auch Frachtflugzeuge, die 2022 insgesamt 975.000 Tonnen an Güter beförderten. Weil der Flughafen nie still steht und rund um die Uhr mehrere hundert Arbeitnehmer am Findel beschäftigt sind, ist die Flughafenfeuerwehr ebenfalls rund um die Uhr einsatzbereit. Auch an Heiligabend hieß es für die Feuerwehrleute „Business as usual“.

Das Team, das an Heiligabend im Einsatz war

Das Team, das an Heiligabend im Einsatz war Foto: André Feller

Am 24.12. trat wie jeden Tag eine achtköpfige Mannschaft ihren Dienst im CIS Findel an. Diensthabender Sektionschef war der 34-jährige Benny Wirtz, der seit 2011 der Flughafenfeuerwehr angehört.

Bei Schichtbeginn teilt der Sektionschef seine Leute auf die einzelnen Fahrzeuge ein. Zweifelsohne zum Traum eines jeden Feuerwehrmanns zählen die Flugfeldlöschfahrzeuge mit rund 1.500 PS Motorleistung und 15.000 Litern Wasser an Bord. Mit diesen Boliden erreichen die Einsatzkräfte des CIS Findel den vom Einsatzzentrum weitestentfernten Punkt der Kaserne in weniger als drei Minuten. Jeweils zwei Mitglieder der Schicht sind einem der dieser drei Einsatzfahrzeuge zugeordnet. Die Wasserwerfer kann der Beifahrer bereits während der Einsatzfahrt per Joystick in Position bringen.

Nach der Aufteilung der Mannschaften beginnen die Fahrzeugprüfungen. Die Feuerwehrleute fahren mit den Flugfeldlöschfahrzeugen zu einem festgelegten Punkt. Dort findet eine vollständige Prüfung aller Pumpsysteme und Wasserwerfer statt. Jedes Fahrzeug wird auf das Vorhandensein des Einsatzmaterials geprüft. Hier bleibt nichts dem Zufall überlassen, erklärt uns Benny Wirtz. Neben den Flugfeldlöschfahrzeugen sind die diensthabenden Feuerwehrleute auch für den Unterhalt aller anderen Fahrzeuge zuständig. Dazu zählen u.a. der Kommandowagen, ein sogenanntes HTLF Hilfeleistungstanklöschfahrzeug bis hin zum kleinsten Einsatzfahrzeug, mit der Nummer 118. Letzteres kommt zum Einsatz bei kleineren Öllecks und zur Neutralisierung des auslaufenden Öls, beispielsweise wenn eine Hydraulikleitung an einem Fahrzeug lecke, so Benny Wirtz.

Erste Hilfe bei Passagieren und Personal

Täglich erkunden die Feuerwehrleute den gesamten Flughafen sowie die Zufahrtswege. „Wir müssen jeden Punkt innerhalb von drei Minuten erreichen. Gibt es irgendwo ein Hindernis, etwa durch Unterhaltsarbeiten an einer Zufahrtsstraße, muss die Feuerwehr das wissen. Im Notfall zählt jede Sekunde“, unterstreicht der Sektionschef.

Test der Flugfeldlöschfahrzeuge während der Nachtschicht

Test der Flugfeldlöschfahrzeuge während der Nachtschicht Foto: André Feller

Auch wenn Großeinsätze ausbleiben, bedeutet dies nicht, dass die Leute des CIS Findel keine Arbeit hätten. Sie sind zuständig für Erste-Hilfe-Einsätze, die sogenannten First-Responder-Einsätze. Dies sei etwa einmal täglich der Fall. Dazu zählen Erste-Hilfe-Leistungen bei Passagieren, aber auch bei den Arbeitskräften am Findel.

Auch bei Unfällen im Frachtbereich oder sonstigen Unfällen auf dem Flughafengelände rücken die Feuerwehrleute aus, etwa ein bis zwei Mal täglich. Je nach Lage wird gleich Unterstützung von umliegenden Einsatzzentren angefragt. Und das aus gutem Grunde. Der Flughafen Luxemburg ist in der ICAO-Brandschutzklassierung als Kategorie 9 eingestuft. An diese Kategorie ist die Anzahl an einsatzbereiten Flugfeldlöschfahrzeugen gebunden. Müsse das CIS Findel mit mehreren Leuten und anderen Einsatzfahrzeugen, etwa dem HTLF, zu einem anderen Notfall ausrücken, dann werde der Flughafen in dieser internationalen Klassifikation heruntergestuft. Dies bedeute, dass bestimmte Flugzeugtypen während dieser Zeit nicht landen dürfen, so Wirtz.

Ein Menü mit Bratkartoffeln und allerlei Salatsorten gab es für die Einsatzkräfte

Ein Menü mit Bratkartoffeln und allerlei Salatsorten gab es für die Einsatzkräfte Foto: André Feller

Feierlichkeiten zu Heiligabend oder an Weihnachten stehen demnach nicht im Vordergrund. Die Mannschaft beließ es dann bei einer kalten Platte, Bratkartoffeln und Salat. Das schnelle Gericht bereiteten zwei Leute am späten Abend vor, gemeinsam gegessen wurde im Gemeinschaftsraum. Einsätze gab es am 24. Dezember während der Nachtschicht keine, die Einsatzbereitschaft musste trotzdem gewährleistet sein. 

Große Einsätze wie bei einem Flugzeugabsturz gibt es (Gott sei Dank) nur sehr selten. Demnach sind Übungen für die Feuerwehrleute umso wichtiger. Diese finden größtenteils in Frankreich, Deutschland oder Großbritannien statt, so Wirtz. Auch am Findel selbst werde geübt. Dazu habe man vor langen Jahren bereits einen Seecontainer als „Flugzeug“ umgebaut und ausgestattet. An diesem könne man Löschangriffe und die Bergung üben.

13 unterschiedliche Einsatzfahrzeuge sind in der neuen Kaserne des CIS Findel stationiert. Das kleinste mit der Nummer 118 gleicht einem Kommunalfahrzeug. Ausgestattet ist es mit Ölbindemittel und kommt bei kleineren Zwischenfällen wie einem geringen Ölleck zum Einsatz.

Das sagt Benny Wirtz, 34, ausgebildeter Mechaniker und seit 2011 bei der Flughafenfeuerwehr:

„In meinem Beruf hatte ich nur wenig Perspektiven gesehen und habe das Staatsexamen absolviert. Mir wurden vier Plätze angeboten. Dann entschied ich mich für die Flughafenfeuerwehr, die damals noch der ‚Administration de la navigation aerienne’ unterstand. Damals war man zu 90 Prozent Mechaniker und 10 Prozent Feuerwehrmann. Alle Reparaturen und den Unterhalt von Fahrzeugen haben die Mechaniker gewährleistet, im Notfall die Feuerwehr. Wer keine Ausbildung hatte, wurde zum vollständigen Feuerwehrmann ausgebildet. Heute sind wir im Arbeitsalltag Berufsfeuerwehrmann, halten Übungen ab, sichern Unterhalt und Kontrolle des Einsatzmaterials. Viele Übungen finden im Ausland statt, etwa einmal täglich leisten wir Erste-Hilfe-Einsätze im Passagier- wie im Cargobereich. Der Flughafen schläft nie.“

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