Exilanten an der Côte d’Azur
Als ein Städtchen in Südfrankreich zur Hauptstadt der deutschen Literatur wurde
Ab dem Frühjahr 1933 kommen immer mehr deutsche Künstler in Sanary-sur-Mer an. Sie sind auf der Flucht vor den Nazis und finden an der Côte d’Azur eine Heimat auf Zeit. Unter ihnen auch der Nobelpreisträger Thomas Mann und seine Familie.
Nobelpreisträger ohne Land: Thomas Mann im Sommer 1933 auf der Terrasse der Villa „La Tranquille“ in Sanary-sur-Mer Foto: Thomas Mann Archiv
Dass dieses kleine Hafenstädtchen an der Côte d’Azur einst die inoffizielle Hauptstadt der deutschen Literatur war, ist heute nicht mehr auf den ersten Blick ersichtlich. An einem wolkenverhangen-warmen Sommertag flanieren Touristen entlang des schmalen Grünstreifens, der von der Küstenstraße zum Hafen und damit zum Zentrum von Sanary-sur-Mer führt. Wer den Blick nach links wendet, weg von den Schiffen und der Uferpromenade, der findet, hinter einem altmodischen Kettenkarussell versteckt, das „Office de tourisme“ in einem schnörkellosen, frei stehenden Flachbau mit Glastür. Und neben jener Glastür den sichtbarsten Beweis dafür, welche wichtige Rolle Sanary, ein paar Kilometer westlich vom großen Toulon, einst in der Kulturgeschichte Europas spielte.