Stahlindustrie in den 1990er Jahren
Als die Arbed ein ehemaliges DDR-Hüttenwerk gekauft hat
Anhaltende Stahlkrise, Stilllegung der letzten Hochöfen und der Übergang zum Elektrostahl prägen die Erinnerung an die Luxemburger Stahlindustrie der 1990er Jahre. Weniger bekannt hingegen ist das Engagement der Arbed in Ostdeutschland. Wie ausgerechnet ein ehemaliges DDR-Hüttenwerk zu einem wichtigen Experimentierfeld für die Zukunft des luxemburgischen Standortes wurde.
Hinter den Abrissarbeiten der alten Maxhütte erhebt sich das neue Arbed-Stahlwerk, fertiggestellt im Jahr 1995 Quelle: Fotoarchiv Förderverein Gaszentrale Unterwellenborn e.V., Michael Goschütz
Am 20. März 1992 traten drei Vertreter der Arbed vor die versammelte Presse in der kleinen Gemeinde Unterwellenborn im Osten Thüringens. Wenige Tage zuvor war der luxemburgische Konzern als künftiger Eigentümer des ehemaligen volkseigenen Betriebs Maxhütte Unterwellenborn vom Verwaltungsrat der deutschen Treuhandanstalt bestätigt worden. François Schleimer, Michel Wurth und der neue Geschäftsführer vor Ort, Romain Henrion, stellten den anwesenden Journalisten ihr ehrgeiziges Ziel vor. Innerhalb weniger Jahre wollte die Arbed hier das modernste und wettbewerbsfähigste Stahlwerk Europas errichten.