Was wird aus ...?
Alle wollen Schloss Buschland retten, doch vor Ort passiert wenig
Unsere Serie blickt auf Gebäude, die geschützt sind, geschützt werden sollen oder geschützt werden müssten. Gemeinden und das „Institut national pour le patrimoine architectural“ (INPA) schildern den Stand: Was ist angekündigt, was geplant und warum dauert alles so lange? Im vierten Teil: Schloss Buschland nahe Remich, sein Verfall und eine parlamentarische Frage an den Kulturminister.
Schloss Buschland: idyllisch im Grünen gelegen. Vieles wäre möglich, doch das Gebäude verfällt weiter. Foto: privat
Den besten Blick auf Schloss Buschland hat man von der deutschen Moselseite aus. Hoch über Remich thront der Bau von 1889, einst private Residenz, später Hotel, zuletzt Sommerrefugium einer saudischen Familie.
Wer näher herankommt, sieht den Verfall. Eingeschlagene Fenster, Spuren von Vandalismus, ein Inneres, das dem Zufall überlassen ist. Was einmal für Glanz stand, wirkt heute wie aufgegeben.
Zurück bleibt vor allem Unverständnis. Darüber, dass ein solches Gebäude über Jahre hinweg sichtbar verfällt und darüber, dass viel von Verantwortung die Rede ist, konkrete Schritte aber ausbleiben.
Standort mit viel Potenzial
Die politisch Verantwortlichen in Remich erkennen die Bedeutung des Schlosses an und sprechen von einem „wertvollen und erhaltenswerten Kulturerbe“. Sie sehen sowohl kulturelle Verantwortung als auch Entwicklungspotenzial: „Dieser Standort besitzt großes Potenzial. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die Realisierung eines Boutique-Hotels, eventuell ergänzt durch einen harmonisch integrierten modernen Anbau, wie es in anderen Ländern bei historischen Gebäuden erfolgreich umgesetzt wurde. Der Standort eignet sich auch für eine national repräsentative Nutzung. Der Staat könnte dieses außergewöhnliche Gebäude für offizielle Empfänge, interministerielle Sitzungen, EU-Ministertreffen oder den Empfang von Staatsgästen nutzen. Die Moselregion bietet hierfür eine ideale Kulisse.
Die Gemeinde wird proaktiv den Kontakt mit dem Staat und seinen zuständigen Ministerien suchen, um gemeinsam Lösungen zu finden, die den Erhalt und die Aufwertung dieses historischen Gebäudes gewährleisten. In einem nächsten Schritt müssten Gespräche mit den Eigentümern und den Ministerien geführt werden, um die Möglichkeiten für die Zukunft des Standorts zu analysieren.
Die Gemeinde war in den vergangenen Jahren mehrfach mit den Eigentümern in Kontakt, vor allem aufgrund von Sicherheitsproblemen. In den letzten Wochen wurde zudem mehrfach versucht, einen Austausch per Videokonferenz zu organisieren. Diese Termine mussten jedoch aus nachvollziehbaren Gründen auf Seiten der Eigentümer verschoben werden. Die Gemeinde bleibt weiterhin in Kontakt und ist an einem konstruktiven Dialog interessiert.
Aus unserer Sicht sollte der Erhalt dieses historischen Gebäudes eine klare nationale Priorität sein. Im Rahmen des aktuellen Inventars des architektonischen Erbes durch das INPA haben wir darauf hingewiesen und den Verantwortlichen unsere Kontaktdaten der Eigentümer übermittelt.
Die Stadt Remich ist der Ansicht, dass der Staat alle Möglichkeiten prüfen sollte, um diesen Standort und seine Infrastruktur langfristig zu sichern – auch durch eine mögliche Übernahme in öffentliche Hand. Dies würde es ermöglichen, dieses einzigartige Schloss an der Mosel nachhaltig zu restaurieren und wieder in das Leben der Region zu integrieren.“

Der Bau von 1889: erst Residenz, dann Hotel, zuletzt Sommerrefugium einer saudischen Familie Foto: privat
INPA sagt: „Schützenswert“
Beim INPA ist das Gebäude bereits erfasst. Eine vollständige Analyse steht jedoch noch aus. „Im Rahmen des wissenschaftlichen Inventars, das das INPA derzeit in Remich erstellt, wurde das als ‚Schloss Buschland‘ bekannte Gebäude erfasst und teilweise bereits dokumentiert. Da es bislang nicht möglich war, mit den Eigentümern in Kontakt zu treten, konnte eine Innenbesichtigung noch nicht erfolgen. Das INPA hat jedoch festgestellt, dass das Gebäude schützenswert ist und sich leider in keinem guten Zustand befindet. Aus diesem Grund hat der Kulturminister beschlossen, noch vor Abschluss des gesamten Inventars in Remich ein Klassierungsverfahren einzuleiten. Dieses Verfahren läuft derzeit und kann dazu führen, dass das INPA eigenständig, mit Zustimmung des Gerichts, dringende Arbeiten an dem Gebäude durchführen lassen kann.“
Die politische Dimension des Dossiers „Schloss Buschland“ zeigt sich auch in einer parlamentarischen Frage der ADR-Abgeordneten Alexandra Schoos an Kulturminister Eric Thill.

Von der einstigen Pracht des Speisesaals ist heute nichts mehr zu sehen Foto: Archivbild/industrie.lu
Staat kann per Gesetz schützen
Der Minister bestätigt, dass seinem Ministerium der Zustand des Gebäudes bekannt ist: „Es wurde vom INPA als schützenswert eingestuft, und zwar im Rahmen des Inventars, wie es das Denkmalschutzgesetz vom 25. Februar 2022 vorsieht, das derzeit in der Gemeinde Remich erstellt wird.“
Die Abgeordnete wollte unter anderem wissen, warum das Schloss bislang weder klassiert noch vollständig in das nationale Inventar aufgenommen wurde.
In seiner Antwort verweist das Ministerium auf das laufende Inventar, das derzeit landesweit erstellt wird. Ziel sei es, Gebäude künftig frühzeitig zu erfassen und präventiv zu schützen. Im Fall von Schloss Buschland sei das Verfahren aufgrund des schlechten Zustands jedoch vorgezogen worden, noch vor Abschluss dieser Arbeiten.
Nein, bislang wurden in diesem Zusammenhang noch keine Gespräche geführt
Eric Thill
Kulturminister
Das Denkmalschutzgesetz verpflichtet Eigentümer grundsätzlich zum Erhalt klassierter Gebäude. Der Staat kann Zuschüsse gewähren und, wenn nötig, Maßnahmen anordnen. Kommt ein Eigentümer seinen Pflichten nicht nach, kann der Staat nach gerichtlicher Genehmigung selbst eingreifen und die Arbeiten auf dessen Kosten durchführen lassen.
Offen bleibt damit die Frage nach konkreten Schritten. „Wurden seitens des Ministeriums Gespräche mit der Gemeinde Remich oder anderen Akteuren geführt, um eine Lösung für die Zukunft dieses Gebäudes zu finden?“, lautete eine weitere Frage. Die Antwort fällt knapp aus: „Nein, bislang wurden in diesem Zusammenhang noch keine Gespräche geführt.“

Erinnerung an bessere Zeiten, an die sich mit entschlossenem Handeln wieder anknüpfen ließe Foto: Archivbild/industrie.lu