125 Jahre Nobelpreis
Zunehmend Frauen und ein leerer Stuhl: Fakten zu den Nobelpreisen
Die Nobelpreise werden ab Montag verkündet: Wer war bislang am jüngsten, warum fehlt Mathematik und weshalb blieben Friedensnobelpreisträger den Zeremonien fern? Zahlen und Hintergründe.
Kiana und Ali Rahmani nahmen im Jahr 2023 den Friedensnobelpreis für ihre Mutter entgegen: die Iranerin Narges Mohammadi Foto: AFP
Seit 1901 werden die Nobelpreise an Menschen und Organisationen verliehen, die aus Sicht der Juroren in außergewöhnlicher Weise zum Fortschritt der Menschheit beigetragen haben. Die diesjährigen Preisträger werden von Montag an verkündet. Einige interessante und kuriose Fakten rund um die prestigeträchtigen Auszeichnungen.
Jung und Alt
2014 wurde die pakistanische Aktivistin Malala Yousafzai mit 17 Jahren die jüngste Prämierte in der Geschichte der Nobelpreise. Der bislang älteste Nobelpreisträger zum Zeitpunkt der Auszeichnung war der US-Physiker John B. Goodenough, der 2019 mit 97 Jahren für seinen Beitrag zur Entwicklung moderner Lithium-Ionen-Akkus den Chemie-Nobelpreis bekam.
Wenige Frauen unter den Preisträgern
Insgesamt gingen von den 633 seit 1901 verliehenen Nobelpreisen nur 68 an eine Frau. Eine von ihnen war der erste Mensch, der zweimal mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde: Die polnischstämmige Französin Marie Curie bekam 1903 den Physik-Nobelpreis und 1911 den Chemie-Nobelpreis.
Besonders schwach sind Frauen in den Wissenschaftskategorien und beim Wirtschaftsnobelpreis vertreten. Dass die Nobelpreise insgesamt eine Männerdomäne sind, ändert sich jedoch langsam: Seit Beginn dieses Jahrhunderts wurden 38 Frauen ausgezeichnet und damit mehr als in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten.
2009 erhielt eine Rekordzahl von fünf Frauen einen Preis, darunter US-Wissenschaftlerin Elinor Ostrom, die als erste Frau überhaupt den Wirtschaftsnobelpreis bekam. Vergangenes Jahr wurden zwei Frauen geehrt: Die US-Biologin Mary E. Brunkow zählte zu den drei Trägern des Medizin-Nobelpreises und die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado bekam den Friedensnobelpreis.

Grafik: AFP/nobelprize.org
Kein Preis für Mathematik
Es gibt den Nobelpreis für Medizin, Chemie und Physik, aber keinen für Mathematik. Zu den Gründen kursierte lange eine Legende, die erst in den 80er-Jahren von Forschern entkräftet wurde: Es wurde erzählt, der Preisstifter Alfred Nobel habe sich damit an dem Geliebten seiner Mätresse, dem Mathematiker Magnus Gösta Mittag-Leffler, rächen wollen. Es gibt aber keine Fakten, die diese These stützen.
Plausibler ist diese Erklärung: Als Nobel 1895 sein Testament verfasste, in dem er die Preise stiftete, existierte in Schweden schon eine renommierte Auszeichnung für Mathematik. Außerdem genossen die angewandten Naturwissenschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts größeres Ansehen als die Mathematik.
Preisverleihungen in Abwesenheit
In den vergangenen Jahrzehnten konnten mehrere Friedensnobelpreisträger ihre Auszeichnungen nicht selbst in Oslo entgegennehmen. Der Journalist und Pazifist Carl von Ossietzky wurde in einem Konzentrationslager der Nazis festgehalten, als er 1936 für den Preis ausgewählt wurde. Der sowjetische Dissident Andrej Sacharow musste sich in Oslo von seiner Frau Elena Bonner vertreten lassen.
1983 lehnte der polnische Solidarnosc-Anführer Lech Walesa eine Reise nach Oslo aus Angst ab, nicht mehr in sein Land zurückkehren zu können. Die myanmarische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi stand unter Hausarrest, als sie 1991 ausgezeichnet wurde. Die Militärjunta erlaubte ihr zwar die Reise nach Oslo, Suu Kyi lehnte dies aber ebenfalls aus Sorge ab, nicht wieder heimkehren zu können.
Der Preisträger von 2010, der chinesische Dissident Liu Xiabo, war damals in Haft. Sein Stuhl blieb bei der Preisverleihung demonstrativ leer. 2022 konnte der inhaftierte belarussische Menschenrechtsaktivist Ales Bjaljazki den Friedensnobelpreis nicht entgegennehmen, seine Frau vertrat ihn in Oslo. 2023 saß die iranische Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi während der Verleihungszeremonie im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis in Haft.
Machado schaffte es vergangenes Jahr nach einer gefährlichen und beschwerlichen Anreise aus ihrem Versteck in Venezuela nicht rechtzeitig nach Oslo. Deswegen nahm ihre Tochter den Friedensnobelpreis dort an ihrer Stelle entgegen.
Zeremonien am 10. Dezember
Die Träger der Nobelpreise werden alljährlich Anfang Oktober verkündet. Überreicht werden die Auszeichnungen aber erst am 10. Dezember – die in den Wissenschaftskategorien, für Literatur und Wirtschaft in der schwedischen Hauptstadt Stockholm und der Friedensnobelpreis in Norwegens Hauptstadt Oslo.
Der 10. Dezember ist der Todestag des Stifters Alfred Nobel. Der Erfinder des Dynamits hatte von 1833 bis 1896 gelebt. Zum 125. Geburtstag des Nobelpreises steigt das Preisgeld dieses Jahr auf zwölf Millionen schwedische Kronen (1,06 Millionen Euro). (AFP)