Reportage

„Wir werden siegen“: Unterwegs in Kursk – eine Stadt, die nicht weiß, wie ihr geschieht

In Kursk stehen Geflüchtete Schlange für Matratzen und Medikamente. Sirenen heulen im Stundentakt, es herrscht das „Antiterrorregime“. Über eine Stadt, die nicht weiß, wie ihr geschieht.

Menschen stehen um Hilfe an am Stand des Roten Kreuzes in Kursk

Menschen stehen um Hilfe an am Stand des Roten Kreuzes in Kursk Foto: AFP/Tatyana Makeyeva

Jeden Abend kommen sie hierher, setzen sich auf die schwarzen Stühle vor der Eingangstür des hellen Klinkerbaus, die Bäume neben ihnen wehen im Wind, die Kinder vor ihnen rennen umher. Ljubow und Jelena lehnen sich zurück und lachen manchmal so laut, dass ihre Goldzähne aufblitzen. „Hier draußen muntern wir uns gegenseitig auf“, sagt die 69-jährige Jelena. „Sobald ich wieder im Zimmer bin, kommt die Trauer. Die Erinnerung an die Einschläge, an die Flucht, die zurückgelassenen Tiere. Schrecklich alles.“ Ljubow blickt zu Boden. „Ich kann kaum schlafen, höre die Drohnen, zucke bei jeder Sirene zusammen. So bin ich lieber hier, mit den Leuten, die ich bis vor ein paar Tagen nicht kannte, die nun aber zu einer Art Verwandtschaft geworden sind“, sagt die 68-Jährige.

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