Beispiel St. Petersburg
Wie russische Universitäten den Krieg in der Ukraine normalisieren
Die Europäische Universität in Sankt Petersburg schließt aus politischen Gründen ihre Politologie-Fakultät. Das russische Regime verlangt auch von Hochschulen patriotischen Gehorsam: Tarnnetze flechten, Briefe an die Front schreiben, Drohnen bauen.
Eine chinesische Touristin geht an der Moskauer Staatsuniversität vorbei Foto: AFP/Alexander Nemenov
„Die Fakultät ist liquidiert, Erklärungen vonseiten der Universitätsleitung gibt es keine. Ich gehe nun in einen langanhaltenden Urlaub, am neuen Programm werde ich nicht mehr teilnehmen.“ So schreibt Grigori Golossow, bis vor einigen Wochen noch Dekan der Politologie-Fakultät an der Europäischen Universität in Sankt Petersburg, auf seiner Facebook-Seite. Die Politologie ist nun Geschichte an seiner Universität. Die, die weiterstudieren wollen, müssen es fortan an der Geschichtsfakultät tun. Geschichte in Russland aber heißt – aus politischen Gründen – eine völlige Verzerrung von Geschichtswissenschaft und zumindest die Akzeptanz eines Geschichtskonzeptes, wie der „Oberhistoriker“ Wladimir Putin es sieht.