Geschichte
„Wie lange dauert der Tod?“ Als die Nazis zum jüdischen Purimfest in Auschwitz 3.791 Menschen ermordeten
In diesem Artikel wird das Schicksal von jüdischen Häftlingen des Ghettos von Theresienstadt im besetzten Tschechien beschrieben, die im Rahmen der nationalsozialistischen „Ausrottungspolitik“ Opfer eines unglaublichen Täuschungsmanövers wurden. Ihnen wurde ein Todesaufschub von sechs Monaten gewährt. Die Getäuschten waren mehrheitlich tschechische Juden. Aber auch Juden aus Luxemburg waren betroffen.
Detail des maßstabgetreuen und auf Zeugenaussagen von SS-Wachleuten basierenden Modells des Krematoriums II in Auschwitz-Birkenau. Bildhauer: Mieczyslaw Stobierski. Foto: United States Holocaust Memorial Museum
„In der Woche nach dem 7. September [1943] trafen Familientransporte mit Juden aus Theresienstadt ein. Es war für uns ganz unverständlich, dass dies[e] Transport[e] eine noch nie dagewesene Ausnahmestellung genoss[en]. Die Familien wurden nicht getrennt, kein Einziger kam zur sonst selbstverständlichen Vergasung. Ja, sie wurden gar nicht geschoren und wurden so wie sie gekommen sind, Männer, Frauen und Kinder zusammen, in einem abgestellten Lagerabschnitt untergebracht und durften sogar ihr Gepäck behalten. Die Männer mussten nicht zur Arbeit, für die Kinder wurde sogar eine Schule […] gestattet […]. Sie wurden lediglich durch ihren ‚Lagerältesten‘ einem reichsdeutschen Berufsverbrecher namens Arno Böhm […] in unerhörter Weise schikaniert. Unsere Verwunderung ist noch gestiegen, als wir nach einiger Zeit das offizielle Verzeichnis dieses Transportes zu sehen bekamen, dessen Aufschrift lautete: ‚SB-Transport tschechischer Juden mit 6 monatl. Quarantäne‘ (Anm. d. Verf.: SB = ‚Sonderbehandlung‘, ein Tarnwort für Exekution).“2