Russland

Wie der Kreml im Bildungssektor antiwestliche Ideologie propagieren lässt

Mit der Mobilisierung nimmt der Kreml Russlands Schulen und die Lehrer in die Pflicht und schwört den Bildungssektor mit neuen Programmen immer stärker auf antiwestliche Ideologie ein. Wer kritisiert, bekommt es mit den Behörden zu tun. Selbst Grundschüler.

Russlands Präsident Wladimir Putin besuchte am Donnerstag ein Jugendzentrum in Moskau: In den Schulen des Landes setzt der Kreml vermehrt auf eine Militarisierung der Programme und patriotische Indoktrinierung der russischen Kinder und Jugendlichen

Russlands Präsident Wladimir Putin besuchte am Donnerstag ein Jugendzentrum in Moskau: In den Schulen des Landes setzt der Kreml vermehrt auf eine Militarisierung der Programme und patriotische Indoktrinierung der russischen Kinder und Jugendlichen Foto: Valeriy Sharifulin/Pool/AFP

„Hallo Soldat, mein Name ist Wika“, schreibt eine Achtjährige in geschwungener Krakelschrift in ihr liniertes Heft. „Wika“ befolgt die Aufgabe, die ihre Schule in der Region Irkutsk als Hausaufgabe aufgegeben hat: einen Brief an die Front schreiben. Das Aufklärungsministerium, wie das Bildungsministerium in Russland heißt, hatte bereits im März seinen Bildungseinrichtungen „empfohlen“, sie mögen den Geist der Armee mit patriotischen Aktionen in Kindergärten und Schulen stärken. Nun, kurz vorm Neujahr, Russlands wichtigstem Familienfeiertag, wünschen sich die Kinder im Land von den Soldaten „Frieden“. Frieden, in dem diese Krieg führen, was in staatlichen russischen Schulen kaum infrage gestellt werden darf. „Wika“ schreibt: „Da ich schon lesen kann, weiß ich aus dem Internet, welche wichtige Aufgabe du, mein lieber Soldat, zu erfüllen hast. Du bist unser Verteidiger! Ich bin stolz auf dich.“ Dazu gibt es Kästchen, in die Wörter wie „Vaterland“, „Sieger“ und „Russland“ geschrieben werden sollen. Der Bürgermeister aus „Wikas“ Heimatstadt Tscheremchowo präsentiert voller Begeisterung die Briefe der Kinder, sagt, wie verständnisvoll doch die Kleinen mit der Lage, in der sich Russland derzeit befinde, umgingen. Unter welchem ideologischen Zwang die Kinder solche Zeilen verfassen, sagt der Bürgermeister freilich nicht.

Jetzt kostenlos testen: Ihr persönlicher 24-Stunden-Zugang

  • Zugang zu allen Online-Artikeln
  • E-Paper auf tageblatt.lu und in der App

Sie haben bereits ein Konto ? Melden Sie sich hier an.

Das könnte Sie auch interessieren

Großbritannien

Angespannte Lage: Zehntausende bei Demo von rechtsextremem Aktivisten in London