Kommentar
Wie Sahra Wagenknecht ihr eigenes Werk zerstört
Sahra Wagenknecht stellt die Brombeerkoalition infrage und wendet sich damit gegen Katja Wolf. Björn Höcke profitiert – und der Riss im BSW wird tiefer.
Die ehemalige Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht stellt die Brombeerkoalition infrage Foto: Martin Schutt/dpa
Es ist das typische Verhalten von Menschen, die nicht loslassen können: Sie zerstören eher ihr eigenes Werk, als es anderen zu überlassen. Sahra Wagenknecht hat das BSW gegründet, zu beachtlichen Erfolgen geführt und bei der Wählerschaft einen Nerv getroffen. Doch nun, da sie selbst an Bedeutung verliert, scheint sie bereit zu sein, alles zu zerschmettern, was sie aufgebaut hat. Wagenknecht zielt auf die Brombeerkoalition in Thüringen – und damit auch indirekt auf ihre Erzrivalin Katja Wolf, die dort BSW-Landeschefin und Ministerin ist. Profiteur ist ausgerechnet der AfD-Scharfmacher Björn Höcke.
Zum Anlass nimmt Wagenknecht den Entzug des Doktortitels von Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) wegen Plagiatsvorwürfen, um das Ende des Regierungsbündnisses in Erfurt zu fordern – jenes Bündnisses also, das sie für den Niedergang des BSW verantwortlich macht. Tatsächlich trugen die öffentlichen Machtkämpfe zwischen ihr und Wolf dazu bei, dass die junge Partei nach anfänglichen Höhenflügen in Umfragen unter die Fünf-Prozent-Marke fiel. Wagenknecht fürchtete damals, das BSW könne zum Steigbügelhalter von CDU und SPD werden. Wolf wiederum wollte verhindern, dass Höcke in Thüringen an die Macht gelangt.