Globaler Corona-Hotspot

„Wenn eine Anfrage kommt“: Auch Luxemburg würde Portugal zur Seite springen

Portugal gilt aktuell als schlimmster globaler Hotspot. Medien berichten, dass 70 Prozent des Krankenhauspersonals mit Corona infiziert sein sollen. Sogar die deutsche Bundeswehr soll nun helfen. Auch Luxemburg würde einspringen – bislang sei aber kein Hilfeersuchen eingegangen. 

„Am Limit“: Am Samstag wurden in Portugal 12.435 Neuinfektionen und 293 weitere Corona-Tote registriert

„Am Limit“: Am Samstag wurden in Portugal 12.435 Neuinfektionen und 293 weitere Corona-Tote registriert Foto: AFP/Patricia de Melo Moreira

Über Portugal fegt zurzeit ein Corona-Tsunami. Am Samstag wurden in dem Land mit 10,3 Millionen Einwohnern 12.435 Neuinfektionen und 293 weitere Corona-Tote registriert. Auf Luxemburg heruntergerechnet wären das rund 750 Infektionen und rund 18 Tote binnen 24 Stunden. Horrende Zahlen demnach – die das Gesundheitssystem in Portugal seit Wochen immer näher an den Rand des Kollaps bringen.

Wie deutsche Medien am Sonntag berichten, soll die deutsche Bundeswehr nun Hilfe in das Land schicken, das am Wochenende seine Grenzen zu Spanien weitestgehend geschlossen hat. Jean Asselborn zufolge ist Luxemburg ebenfalls bereit, zu helfen, bislang sei aber keine Anfrage aus Portugal eingegangen, sagte Luxemburgs Außenminister auf Tageblatt-Nachfrage am Sonntag. „Wenn eine Anfrage kommt, schauen wir uns das natürlich an.“

Vollkommen überfordert

In der Antwort auf eine dringende parlamentarische Anfrage der Piraten-Abgeordneten Sven Clement und Marc Goergen hatten Jean Asselborn und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (beide LSAP) am 19. Januar bereits klargestellt, dass die Betreuung von Covid-Patienten aus Portugal in Luxemburg möglich sei. Auch da hieß es, dass aus Portugal aber noch kein Hilfeersuchen eingegangen sei.

Auch wie die deutsche Hilfe jetzt im Konkreten aussehen soll, war am Sonntag noch nicht klar. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur werde es sich um materielle und personelle Hilfe handeln. Zahl der Helfer und Umfang der Hilfsgüter würden zunächst noch geprüft. Die Bundeswehr hatte nach einem Hilfeersuchen aus Portugal ein medizinisches Erkundungsteam in das Nachbarland Spaniens geschickt, dessen Erkenntnisse nun ausgewertet würden.

Das Magazin Spiegel berichtete am Sonntag, dass Anfang der Woche ein Team von 27 Ärzten und Sanitätern der Bundeswehr nach Portugal geschickt werden könnte, um in den überlasteten Krankenhäusern auszuhelfen. Außerdem sei die Lieferung von Feldkrankenbetten und Beatmungsgeräten geplant. Nach Spiegel-Informationen wurde den Bundeswehr-Experten vor Ort ein katastrophales Bild geschildert. Das Gesundheitssystem sei vollkommen überfordert, ein Großteil des Pflegepersonals in den Krankenhäusern sei selbst mit Corona infiziert.

Virusvariante als Infektionstreiber

Bereits vor einer Woche hätten vielerorts die Regeln der Katastrophenmedizin – also die „Triage“ – angewendet werden müssen, wie Miguel Guimarães, Chef der Ärztekammer, sagte. Mit dramatischen Folgen: Wenn es für zwei Notfallpatienten nur ein Beatmungsgerät gibt, bekommt derjenige mit den besseren Überlebenschancen Vorrang.

Auch die portugiesische Gesundheitsminsiterin Marta Temido räumt da schon ein, dass sich die Krankenhäuser „am Limit“ befinden. In der Not wurden deswegen im ganzen Land Feldlazarette aufgebaut, zwei davon in der Hauptstadt Lissabon. Der sozialistische Regierungschef António Costa nannte die Situation zuletzt „dramatisch“, auch weil die höchst ansteckende britische Virusvariante als Infektionstreiber wirke. Vergangene Woche hatte die britische Mutation einen Anteil von rund 20 Prozent. Gerechnet wird mit einer schnellen Steigerung auf bald 60 Prozent, so Costa.

Nach jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich zuletzt binnen 14 Tagen 1.429 Menschen je 100.000 Einwohner mit dem Virus an. Damit liegt Portugal vor Spanien (1.026) an der Spitze der 30 erfassten Länder. Für Luxemburg betrug dieser Wert rund 278. (Mit Material von der DPA)

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