Krieg in Nahost

Wasserökonomin warnt: Weitere Angriffe auf Wasseranlagen wären verheerend

Angriffe auf Wasseranlagen sind in Kriegen eher selten, haben aber dramatische Folgen. In Bahrain und im Iran berichteten Behörden zuletzt jeweils von einem Angriff auf eine Entsalzungsanlage – solche Einrichtungen sind lebenswichtig für Millionen Menschen im Nahen Osten.

Skyline von Manama, Bahrain bei Sonnenuntergang mit Entsalzungsanlage im Vordergrund, Symbol für Wasserversorgung in der Region

Die Skyline der Hauptstadt von Bahrain, Manama: Das Land ist, wie andere auch in der Region, für seine Wasserversorgung auf Entsalzungsanlagen angewiesen Foto: AFP/Giuseppe Cacace

Die Wasserökonomin Esther Crauser-Delbourg warnt für den Fall von gezielten Angriffen auf das Wasser vor einem Krieg, „der weitaus verheerender ist als der heutige“. Denn der Nahe Osten ist eine der trockensten Gegenden der Welt und deshalb auf Entsalzung zur Wassergewinnung angewiesen. In der Region befinden sich einer Studie der Fachzeitschrift Nature zufolge 42 Prozent der weltweiten Entsalzungskapazitäten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten entstammen 42 Prozent des Trinkwassers aus solchen Anlagen, in Kuwait sind es 90 Prozent, im Oman 86 Prozent und in Saudi-Arabien 70 Prozent, wie aus einer Studie des französischen Forschungsinstituts Ifri hervorgeht. „Ohne entsalztes Wasser gibt es dort nichts“, sagte Crauser-Delbourg der Nachrichtenagentur AFP.

2008 veröffentlichte die Webseite Wikileaks ein diplomatisches Dokument der USA, demzufolge Saudi-Arabiens Hauptstadt „Riad innerhalb einer Woche evakuiert werden müsste“, falls die für die Stadt zuständige Entsalzungsanlage von Dschubail oder deren Ölleitungen „schwer beschädigt oder zerstört“ würden. Im Jahr 2010 hieß es in einer Analyse des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, dass die „Störung der Entsalzungseinrichtungen in der Mehrheit der arabischen Länder schwerwiegendere Folgen haben könnte als der Verlust jeder anderen Industrie oder jedes anderen Rohstoffs“.

Welche Risiken bestehen für solche Anlagen?

Experten zufolge sind neben Angriffen auch Stromausfälle und eventuelle Verunreinigungen des Meereswassers wie Ölkatastrophen Risiken für den Betrieb der Entsalzungsanlagen. „Wir haben die Zugangssicherheit und die Kontrollen in der unmittelbaren Umgebung der Fabriken verstärkt“, sagte Philippe Bourdeaux vom französischen Unternehmen Veolia, das die Regionen Maskat, Sur und Salala im Oman sowie Dschubail in Saudi-Arabien mit entsalztem Wasser versorgt.

„Die jüngsten Ereignisse veranlassen uns natürlich dazu, sehr wachsam zu sein. Wir beobachten die Lage der Einrichtungen sehr genau“, fuhr Bourdeaux fort. In einigen Ländern hätten Behörden zum Schutz gegen Raketen und Drohnen Raketenbatterien um die Anlagen herum aufgestellt.

Sollte die Lage eskalieren, reichen die möglichen Auswirkungen je nach Schwere der Angriffe von kurzen Störungen bis zu schwereren Folgen. Es könne zu einem Exodus aus den großen Städten kommen sowie zu Rationierungen, sagt Esther Crauser-Delbourg. Wassermangel könnte auch zu einer wirtschaftlichen Kettenreaktion mit Auswirkungen auf Tourismus, Industrie und Datenzentren mit ihrem hohen Bedarf an Kühlwasser führen. Nach Angaben von Veolia haben die meisten Entsalzungsanlagen Reserven, die den Wasserkonsum von zwei bis sieben Tagen decken.

Wo gab es schon Angriffe?

Angriffe auf Infrastruktur zur Wasserversorgung sind eher selten. In den vergangenen Jahren griffen etwa Jemen und Saudi-Arabien jeweils im anderen Land derartige Anlagen an, außerdem Israel im Gazastreifen, wie die Denkfabrik Pacific Institute erklärt, die ein Register für Konflikte in Zusammenhang mit Wasser führt. Auch im Golfkrieg 1991 wurde Wasserinfrastruktur ins Visier genommen. (AFP)

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