Weltkulturerbe
Warum die Porta Nigra in Trier hinter einem Baugerüst verschwindet
Triers Wahrzeichen Nummer eins verschwindet in den nächsten Wochen hinter einem großen Gerüst – und zwar für ziemlich lange. Was dahinter passiert und wie die Porta Nigra anschließend aussehen wird.
Die komplette zur Simeonstraße gerichtete Fassade der Porta Nigra wird ab Februar restauriert Foto: Christiane Wolff
Klar, hinter den Kulissen hat so eine wichtige Sache wie die Restaurierung der Porta Nigra einen jahrelangen Vorlauf. Schon 2014 brachte das Mainzer Institut für Steinkonservierung eine knapp 100 Seiten lange Broschüre dazu zu Papier. Das Fragezeichen hinter dem Titel „Reinigung der Porta Nigra?“ zeigt, dass die Sache selbst für Experten schwierig ist und gut überlegt und geplant sein muss. Für die Öffentlichkeit kam die Nachricht, dass die Porta Nigra ab dem ersten Montag des neuen Jahres eingerüstet wird, allerdings ziemlich überraschend. Der Landesbetrieb Liegenschaften und Bauerhalt, der für die technische Umsetzung der Restaurierung zuständig ist, hatte die Pressemitteilung am vorletzten Tag des Jahres verschickt.
Südfassade der Trierer Porta Nigra wird für zwei Jahre eingerüstet
Die zur Simeonstraße ausgerichtete Südfassade des wohl zumindest für die Trierer und die Touristen wichtigsten Weltkulturerbes wird für zwei Jahre eingerüstet und verschwindet abschnittsweise hinter einer Plane. Am Montag wurde Material für den Gerüstbau angeliefert, das nun hinter hohen Bauzäunen unter der Porta lagert. Die Restaurierungsarbeiten sind notwendig, um das antike Stadttor langfristig zu sichern.
Die schwarzen Krusten, die den eigentlich viel helleren Sandstein der Porta Nigra seit Jahrhunderten überziehen, wurden in den vergangenen Jahren eingehend untersucht – mikrobiologisch, chemisch und auch per Ultraschall. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Analysen sind bei der Restaurierung der Westfassade des antiken Stadttors, also der schmalen Stirnseite, die zum Simeonstift ausgerichtet ist, bereits berücksichtigt worden. „Als dieser Fassadenteil 2017/18 restauriert wurde, war das so was wie eine Teststrecke für die nun anstehende Restaurierung der großen Südfassade“, bestätigt Dr. Karl-Uwe Mahler, Leiter der Stabsstelle Römerbauten beim Landesmuseum in Trier und Manager der hiesigen Unesco-Welterbestätten, im Gespräch mit dem Volksfreund.
An der schmalen Westfassade wurde damals ein Teil der schwarzen Verfärbungen, die der Porta ihren Namen geben, abgetragen. Der Unterschied zur bisher unbehandelten Südfassade ist allerdings nur minimal sichtbar. „Keine Angst, die Porta Nigra wird nicht weiß, sondern behält ihr Aussehen“, sagt Mahler lachend, „man muss schon ganz genau hinschauen, um den Unterschied zu erkennen.“
Porta Nigra Trier: Die obere Schicht der schwarzen Krusten wird abgetragen – aber nicht mit dem Hochdruckreiniger
Abgetragen wird nur die obere Schicht der schwarzen Krusten. Nötig sei das, weil diese ansonsten immer weiter wachsen und dicker würden. „Dadurch könnte es dann zu einer festen Schalenbildung kommen, die wiederum beim darunter liegenden Sandstein zu Abplatzungen führen könnte“, erläutert Mahler. Für die Entstehung der schwarzen Krusten gibt es mehrere Gründe. Teilweise sind chemische Prozesse zwischen der Zusammensetzung des Sandsteins und der Umgebungsluft dafür ursächlich. Teilweise sind es mikrobiologische Prozesse.
Wäre es nicht die Porta Nigra, sondern irgendein Sandstein, würde man bei den schwarzen Verfärbungen wohl von Verschmutzungen reden. Mit dem Kärcher oder einem Sandstrahler oder einer Drahthaarbürste – die bei neuen, weniger schützenswerten Bauwerken zum Einsatz kommen könnten – wird den Belägen auf dem Weltkulturerbe allerdings natürlich nicht zu Leibe gerückt. „Zum Einsatz kommt ein moderner Laser, der mit einem sehr sanften Reinigungsverfahren nur die oberflächliche Schicht der Krusten abnimmt“, betont Mahler.
Ab Montag, 5. Januar, soll zunächst das Gerüst aufgebaut werden, von dem aus die eigentlichen Restaurierungsarbeiten dann stattfinden. Während bei Wohnhäusern das Gestänge eines Gerüsts meist mittels großer Schrauben in den Hauswänden verankert wird, ist das bei der Porta Nigra natürlich nicht möglich. Die Errichtung des Gerüsts dauert dementsprechend wohl mehrere Wochen. Der Beginn der Laser-Reinigungsarbeiten ist demnach auch erst ab etwa Mitte Februar geplant.
Für die insgesamt zwei Jahre dauernden Arbeiten wird zunächst der Richtung Hauptbahnhof gelegene Ostturm eingerüstet Foto: Christiane Wolff
Zunächst wird der Richtung Hauptbahnhof gelegene Ost-Turm eingerüstet. Das Gerüst wird dabei mit einer Plane verhängt, auf die per Fotodruck die darunterliegende Fassade abgebildet ist. So soll die optische Beeinträchtigung möglichst gering gehalten werden. Aktuell ist eine solche Fotoplane auch am Gerüst vor der Liebfrauenkirche angebracht.
Die Restaurierung des Ostturms soll zum Jahreswechsel 2026/27 abgeschlossen sein. Dann wird dort das Gerüst abgebaut und vor dem Westturm wieder aufgebaut. Der Tordurchgang neben dem Westturm muss laut Landesbetrieb Liegenschaft- und Baubetreuung (LLB) für die gesamte Dauer der Arbeiten gesperrt werden, da dort der Bauhof eingerichtet wird mit Geräten und Materialien, die für die Restaurierung benötigt werden. Der Zugang zum Museum Simeonstift und zum Brunnenhof soll allerdings jederzeit frei bleiben.
Insgesamt dauert die Restaurierung der gesamten Südfassade bis Ende 2027. Die Kosten für die Konservierungsarbeiten der Porta Nigra, die dem Land gehört und deren Unterhalt seitens des Landesbetriebs Liegenschaft- und Baubetreuung koordiniert wird, liegen laut LLB bei rund einer Million Euro.