Machtdemonstration
Warum Chinas Raketentest im Pazifik nur die Spitze des Eisbergs ist
China testet eine Langstreckenrakete – ausgerechnet an dem Tag, an dem Australien und Fidschi ein neues Verteidigungsabkommen unterzeichnen. Ist das nun Zufall oder eine bewusste Botschaft? Vieles spricht dafür, dass der Vorfall in eine größere Strategie eingebettet ist, mit der Peking seine Stellung im Indopazifik kontinuierlich ausweitet.
Im September 2024 testete die chinesische Volksbefreiungsarmee eine ballistische Interkontinentalrakete Foto: AFP/Handout/Chinese People’s Liberation Army News and Communication Center
Als China am Montag von einem U-Boot aus eine Langstreckenrakete in den Pazifik schoss, nannte Peking dies eine „routinemäßige“ Übung im Einklang mit internationalem Recht, die sich gegen kein Land im Besonderen richte. Außenamtssprecherin Mao Ning betonte laut der staatlichen chinesischen Agentur Xinhua, die betroffenen Staaten seien vorher benachrichtigt worden, und mahnte zur Zurückhaltung: Man solle den Start „nicht überinterpretieren“.
Doch für den Sicherheitsexperten David Vallance erscheint das Timing „bestenfalls als Provokation, schlimmstenfalls als Einschüchterungsversuch“, wie er am Dienstag in einem Gastbeitrag schrieb. Nur wenige Stunden zuvor hatten Australiens Premierminister Anthony Albanese und sein fidschianischer Kollege Sitiveni Rabuka einen neuen Verteidigungspakt („Ocean of Peace Alliance“) unterzeichnet. Die Rakete durchquerte die Wirtschaftszonen mehrerer Inselstaaten, bevor sie nahe Tuvalu ins Meer fiel. Der australische Verteidigungsminister Richard Marles nannte dies in einem Fernsehinterview „destabilisierend für die Region“. Tommy Pigott, ein Sprecher des US-Außenministeriums, äußerte sich besorgt über Pekings „schnelle und undurchsichtige Aufrüstung mit Nuklearwaffen“ und forderte China auf, sich auf ein verlässliches Benachrichtigungssystem für Interkontinentalraketen und Weltraumstarts einzulassen.