Großbritannien

Vor 60 Jahren überfielen Londoner Berufsverbrecher den Postzug aus Glasgow

1963 war für Großbritannien ein Jahr des Wandels. Die Regierung des konservativen Premiers Harold Macmillan lag nach dem peinlichen Rücktritt des Verteidigungsministers wegen einer Sexaffäre in den letzten Zügen. Auch außenpolitisch gelang nichts: Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle legte sein Veto gegen den britischen Beitritt zur damaligen EWG ein, eine Kolonie nach der anderen verlangte und erhielt die Unabhängigkeit.

Frivol: Der legendäre Postzug-Räuber Ronald „Ronnie“ Biggs posiert eingewickelt in eine britische Flagge mit den Models Milene (l.) und Francine in Rio de Janeiro im Januar 2001

Frivol: Der legendäre Postzug-Räuber Ronald „Ronnie“ Biggs posiert eingewickelt in eine britische Flagge mit den Models Milene (l.) und Francine in Rio de Janeiro im Januar 2001 Foto: picture alliance/dpa

So sehr das Establishment schwächelte, so selbstbewusst gab sich die junge, Konsum-orientierte Generation. Deren Symbolfiguren begannen im gleichen Jahr ihren weltweiten Triumphzug: Die Beatles verkörperten mit hinreißender Musik und frechen Sprüchen im Liverpooler Akzent die Respektlosigkeit vor Autoritäten aller Art. In diese Atmosphäre des Umbruchs platzte mitten im Hochsommer die Nachricht über einen sensationellen Raub. Am frühen Morgen des 8. August brachte eine 15-köpfige Gruppe maskierter Berufsverbrecher in Blaumännern den Postzug von Glasgow nach London-Euston bei Chessington (Grafschaft Buckingham) mit einem einfachen Trick zum Stehen: Über das grüne Signal stülpten die Räuber einen Handschuh, das rote hingegen schalteten sie mit einer Batterie auf Dauerbetrieb. Neben der normalen Post war wegen des verlängerten Ferienwochenendes in Schottland an diesem Dienstag auch sehr viel Geld in kleinen Scheinen an Bord, wie die Gang durch Insider-Tipps wusste.

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