Brexit
Verändert sich die britische Europapolitik?
Nehmen die Briten allmählich Abschied von ihren Brexit-Illusionen? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die konservative Regierung unter Premier Rishi Sunak? Diese Fragen beschäftigen zu Wochenbeginn das politische Establishment auf der Insel, nachdem sich zuletzt viele Bürger desillusioniert zeigten über den EU-Austritt und die neuen Handelsbarrieren immer deutlicher zu Tage treten.
Premierminister Rishi Sunak trat gestern beim britischen Industrieverband CBI auf, dessen Mitglieder mehr über seine Europapolitik erfahren wollten Foto: AFP/Oli Scarff
Weil ihm die innerparteilichen Gegner schweres Ungemach androhen, distanzierte sich der Regierungschef am Montag von angeblichen Plänen für eine Wiederannäherung an Brüssel: „Wir werden uns nicht den EU-Regeln unterwerfen.“ Seit dem endgültigen Austritt des Königreichs aus Binnenmarkt und Zollunion Ende 2020 haben Millionen von Briten die Nachteile der neuen Distanz zum größten Handelsmarkt der Welt zu spüren bekommen. Kurzbesuche von Geschäftsleuten und Künstlern auf dem Kontinent erfordern neuerdings hohen bürokratischen Aufwand. Lange Warteschlangen bei der Einreise in die EU, sprunghaft verteuerte Ex- und Importe vom Kontinent, für Studierende kein Zugang mehr zum Erasmus-Austausch, für Wissenschaftler der Ausschluss vom Horizon-Forschungsprogramm – für immer neue Personengruppen werden die Nachteile deutlich, welche die beinharte Trennung von Brüssel mit sich bringt.