Deutschland

„Familien brauchen Verlässlichkeit statt neuer Kürzungsdebatten“

Nicht nur in Luxemburg, auch in Deutschland wird politisch über das Thema Familie diskutiert. Anlässlich des internationalen Tags der Familie haben Opposition und Sozialverbände scharfe Kritik an möglichen Kürzungen beim Elterngeld geübt. Die Geburtenrate in Deutschland hatte zuletzt ein historisches Tief erreicht.

Grafik zeigt sinkende Geburtenrate in Deutschland und Luxemburg im demografischen Vergleich

In Deutschland sinkt die Geburtenrate, ebenso wie in Luxemburg Foto: Editpress/Alain Rischard

Weil der Staat im kommenden Jahr weniger Steuern einnehmen dürfte als ursprünglich gedacht, müssen viele Ministerien Kürzungen vornehmen. Auch Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) muss in ihrem Etat 500 Millionen Euro einsparen. Um die Ausgaben zu senken, will Prien das Elterngeld reformieren – was mit etwa 7,5 Milliarden Euro der mit Abstand größte Posten in ihrem Etat ist. Doch daran gibt es schon jetzt große Kritik.

„Gerade in Zeiten sinkender Geburtenraten und fehlender Betreuungsplätze brauchen Familien Verlässlichkeit und finanzielle Sicherheit statt neuer Kürzungsdebatten“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, unserer Redaktion anlässlich des Internationalen Tags der Familie am Freitag.

Wer Familien stärken wolle, dürfe nicht „bei einer der wichtigsten familienpolitischen Leistungen den Rotstift ansetzen“, betonte Engelmeier. „Familien stehen durch hohe Lebenshaltungskosten ohnehin massiv unter Druck, während das Elterngeld seit seiner Einführung real immer weiter an Wert verloren hat“, fügte sie hinzu. Tatsächlich ist das Elterngeld seit seiner Einführung nicht angehoben worden.

Wenig Verständnis für die Pläne von Schwarz-Rot

Auch die Linken-Bundestagsabgeordnete Mandy Eißing hat wenig Verständnis für die Pläne von Schwarz-Rot. „Im Koalitionsvertrag wurde versprochen, Mindest- und Höchstsatz des Elterngelds zu erhöhen, stattdessen ist es jetzt auch noch Teil einer Kürzungsdebatte, und das obwohl Familien seit Jahren unter Druck stehen und die Geburtenrate sinkt“, betonte Eißing. „Die Regierung bricht mit dem eigenen Versprechen, Familien zu stärken und Gleichstellung voranzubringen.“

Aus Antworten des Bundesfamilienministeriums auf eine Kleine Anfrage Eißings geht derweil hervor, dass die Zahl der Elterngeld-Beziehenden in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Demnach nahmen die Leistung im vergangenen Jahr noch 1,61 Millionen Menschen in Anspruch. Damit ist die Zahl seit 2021 kontinuierlich gesunken. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren erhielten noch 1,87 Millionen Menschen Elterngeld. Die Zahlen beziehen sich sowohl auf das Basiselterngeld als auch auf das Elterngeld Plus. Auch die Zahl der Geburten ist in Deutschland zuletzt gesunken: Wie das Statistische Bundesamt jüngst mitteilte, wurden in Deutschland 2025 so wenige Kinder geboren wie seit 1946 nicht mehr.

Anspruch auf Elterngeld haben Mütter und Väter, die sich um die Betreuung ihres Kindes kümmern. Das Elterngeld soll dabei einen teilweisen finanziellen Ausgleich ermöglichen, falls die Eltern nach der Geburt weniger oder gar kein Einkommen haben. Die Leistung beträgt zwischen 300 und 1800 Euro.

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