Österreich
Türkis-grüner Regierung blüht konfliktreiche Post-Corona-Zeit
Harmonischer als erwartet regierten ÖVP und Grüne im abgelaufenen Ausnahmejahr. 2021 dürfte sich das ändern.
Der Vorsitzende der Grünen und österreichische Vizekanzler Werner Kogler (l.) und der ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz Foto: dpa/APA/Roland Schlager
Es war – zumindest bis zum Herbst – wieder ein Jahr des Sebastian Kurz. 2015 hatte der damals 29-jährige Außenminister mit der medial ausgeschlachteten Schließung der Balkanroute den Grundstein für die Machtübernahme erst in der ÖVP, dann als Kanzler einer Koalition mit der FPÖ gelegt, um nach „Ibizagate“ 2019 wie Phönix aus der Asche zu steigen – nun beflügelt von den Grünen. Wer nach dem Start des Kabinetts Kurz II am 7. Januar das baldige Ende des türkis-grünen Honeymoons erwartet hatte, wurde enttäuscht. Denn einmal mehr profitierte der Kanzler als Routenschließer: Dieses Mal war es das Coronavirus, dem Kurz den Weg versperrte. Dank perfekter Message Control machte Ischgl nur im Ausland Negativschlagzeilen als Superspreader-Hotspot. Tatsächlich gelang es der Regierung, die erste Pandemiewelle im März mit einem schnellen Lockdown effektiv zu brechen. Kurz’ Koste-es-was-es-wolle-Parole sorgte zudem für eine soziale Abfederung der in einem nationalen Schulterschluss gebilligten Rosskur. Seine Popularitätswerte stiegen auf Rekordniveau, was den erfolgsverwöhnten Studienabbrecher einmal mehr dazu verleitete, sich gleich als politischer Leithammel Europas zu fühlen.