Iran-Krieg
Trump kündigt neue Angriffe an und stellt Führungswechsel infrage
Rund zwei Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs hat Israel eine neue Welle von Angriffen auf Teheran gestartet. Gleichzeitig hat US-Präsident Donald Trump weitere Angriffe für die kommende Woche angekündigt.
Immer mehr wird auch Libanon in den Krieg hereingezogen. Auf dem Bild ist ein Anwohner von Beirth zu sehen, der nach einem nächtlichen israelischen Luftangriff an einem zerstörten Gebäude vorbeigeht. Foto: AFP/Kawnat Haju
Aus Teheran berichteten AFP-Journalisten von lauten Explosionen über der Stadt. Die israelische Armee hatte am Morgen eine neue Welle von Luftangriffen auf Ziele in Teheran angekündigt. Am Donnerstag hatte die Armee nach eigenen Angaben mehr als 200 Ziele im Westen und Zentrum des Iran getroffen.
Pentagon-Chef Pete Hegseth sagte, die USA und Israel hätten seit Kriegsbeginn insgesamt mehr als 15.000 Ziele im Iran angegriffen. US-Präsident Donald Trump erklärte, sein Land verfüge „über beispiellose Feuerkraft, unbegrenzte Munition und reichlich Zeit“.
Trotz der neuen israelischen Angriffswelle trat eine ganze Reihe ranghoher Vertreter der iranischen Führung am Freitag in Teheran bei einer Kundgebung zur Unterstützung der Palästinenser auf, unter ihnen Sicherheitschef Laridschani, Präsident Peseschkian, Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei und Außenminister Abbas Araghtschi.
Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA meldete wenig später, dass in der Nähe der Demonstration mindestens eine Frau bei einer Explosion getötet worden sei. Die israelische Armee hatte am Morgen zur Evakuierung von zwei Gebieten in der Nähe des Veranstaltungsortes aufgerufen. Laridschani bezeichnete die US-israelischen Angriffe auf den Iran als einen Akt der „Verzweiflung“. Je mehr Druck Trump ausübe, „desto stärker wird die Entschlossenheit der Nation werden“, sagte Laridschani während der Kundgebung.
Modschtaba Chamenei „wahrscheinlich verwundet“
Solche Auftritte von Vertretern der iranischen Führung sind seit Kriegsbeginn am 28. Februar und der Tötung des damaligen Führers Ayatollah Ali Chamenei sehr selten. Sein Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei ist bisher nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten. Am Donnerstag wurde die erste Botschaft von ihm seit seiner Ernennung am vergangenen Sonntag im staatlichen Fernsehen verbreitet – verlesen von einer Journalistin.
Hegseth sagte am Freitag, nach Erkenntnissen der USA sei Modschtaba Chamenei durch die Angriffe „verwundet und wahrscheinlich entstellt“ worden. Medienberichten zufolge wurde er am ersten Tag des Iran-Krieges am 28. Februar bei einem Luftangriff auf Teheran verletzt, bei dem sein Vater Ayatollah Ali Chamenei getötet wurde.
Der Iran setzte unterdessen seine seit Kriegsbeginn anhaltenden Gegenangriffe fort. Das Staatsfernsehen sprach von einer „neuen Welle iranischer Raketenangriffe“ auf Israel. Bei einem Angriff auf die israelische Stadt Zarzir wurden nach Angaben der örtlichen Behörden rund 60 Menschen verletzt.
In Dubai wurde ein Gebäude von herabfallenden Trümmern eines abgefangenen Geschosses getroffen. AFP-Reporter hörten zwei laute Explosionen im Zentrum von Dubai. Die bei Touristen beliebte Metropole wird seit Beginn des Iran-Krieges immer wieder zum Ziel von Angriffen.
Wechselhafte Äußerungen aus den USA
Zwei Wochen nach Beginn des Iran-Krieges hat US-Präsident Donald Trump weitere Angriffe für die kommende Woche angekündigt. „Wir werden sie in der nächsten Woche sehr hart treffen“, sagte Trump am Freitag dem Radiosender Fox News. Zugleich sagte er voraus, die iranische Führung werde stürzen, aber „vielleicht nicht sofort“.
Damit setzte der US-Präsident seine wechselhaften Äußerungen über die Strategie im Krieg fort. Noch am Montag hatte Trump den Iran-Krieg für „so gut wie“ beendet erklärt und dies mit der militärischen Schwächung der Islamischen Republik begründet. In der Nacht zum Freitag nannte er die iranischen Führungspolitiker „gestörte Dreckskerle“ und drohte ihnen mit Vernichtung. Der Iran hatte am Sonntag den Sohn des getöteten Ayatollah Ali Chamenei, Modschtaba Chamenei, als neuen Führer eingesetzt. Diesen hatte Trump „inakzeptabel“ genannt.
Zu Kriegsbeginn am 28. Februar hatte Trump die Iranerinnen und Iraner aufgerufen, „sich ihr Land zurückzuholen“. Nun sagte er, das werde passieren, aber „vielleicht nicht sofort“. Es sei eine „sehr große Hürde für Leute, die keine Waffen haben“, fügte er hinzu. Die iranische Führung hatte Anfang Januar Proteste niedergeschlagen und nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 7.000 Menschen getötet.
Trump wurde in dem Fox-News-Interview auch zu seiner Ankündigung gefragt, Öltanker könnten US-Geleitschutz in der vom Iran blockierten Straße von Hormus erhalten. „Wir würden es tun, wenn wir es müssten“, antwortete Trump. „Aber, wissen Sie, hoffentlich wird alles sehr gut laufen. Wir werden sehen, was passiert.“
US-Generalstabschef Dan Caine nannte die Meerenge bei einem Auftritt mit Pentagon-Chef Pete Hegseth eine „taktisch komplexe Umgebung“. Bevor die US-Marine dort Schiffe im großen Umfang durchschleuse, müssten erst die eigentlichen militärischen Ziele erfüllt werden.
Israel droht Libanon
Israels Verteidigungsminister hat derweil dem Libanon mit weiteren Angriffen auf die Infrastruktur des Landes gedroht. Die bisherigen Attacken seien „erst der Anfang“, sagte Katz bei einem Treffen mit der Armeeführung am Freitag. Israels Militär hatte in der Nacht eine Brücke über den Litani-Fluss im Südlibanon zerstört.
Die Brücke sei von Kämpfern der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz genutzt worden, um Waffen in den Südlibanon zu bringen, sagte er. „Die libanesische Regierung und der libanesische Staat werden einen immer höheren Preis in Form von Schäden an der Infrastruktur zahlen, die von Hisbollah-Terroristen“ für Angriffe auf Israel genutzt werde. Sollte die Regierung in Beirut ihrer Verpflichtung zur Entwaffnung der Hisbollah nicht nachkommen, werde Israel auch die Kontrolle über libanesische Gebiete übernehmen.
Die Entwaffnung der Hisbollah ist Teil der Vereinbarungen zur Waffenruhe, die Israel und die pro-iranische Miliz im November 2024 vereinbart hatten. Die libanesische Armee hatte im Januar erklärt, die erste Phase der Hisbollah-Entwaffnung abgeschlossen zu haben, die das Gebiet vom Litani-Fluss bis hinunter zur israelischen Grenze betrifft. Nach dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah erneut.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, er habe Israel vorgeschlagen, internationale Vermittler zur Herbeiführung eines Endes der Kämpfe hinzuzuziehen. Israel habe darauf bisher nicht reagiert. Israel griff indes weitere Ziele im Libanon an, unter anderem Wohnungen im Norden von Beirut. Während die als Hisbollah-Hochburg geltenden südlichen Vororte der Hauptstadt regelmäßig angegriffen werden, blieb der Norden Beiruts bisher weitgehend verschont.
Auch die Hisbollah verübte weitere Angriffe auf Ziele in Israel. In der Nacht zum Donnerstag hatte die Miliz laut israelischen Angaben den bisher größten Raketenangriff auf Israel seit Beginn des Iran-Krieges ausgeführt. Seit dem 28. Februar wurden nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 687 Menschen im Libanon getötet. Die israelischen Streitkräfte meldeten den Tod von zwei ihrer Soldaten.