„Holt Euch doch Euer Öl selbst!“
Trump kritisiert erneut europäische Verbündete
Der Angriff Amerikas und Israels auf den Iran „ist nicht unser Krieg“, beteuert Keir Starmer. „Wir werden uns nicht hineinziehen lassen.“ Was dem britischen Premierminister im Wahlkampf vor wichtigen Regional- und Kommunalwahlen Punkte bei der Trump-skeptischen Öffentlichkeit einbringen soll, sorgt in Washington erkennbar für Rage.
Der britische Premierminister Keir Starmer (M.) besprach dieser Tage mit der nächsten BP-Chefin Meg O’Neill (l.) und Generalmajor Richard Cantrill von der Royal Navy die Probleme in der Straße von Hormus Foto: Jaimi Joy/Pool/AFP
Am Dienstag verhöhnte US-Präsident Donald Trump wieder einmal öffentlich seinen einstigen Londoner Vertrauten. All jene Staaten, die Probleme mit der Flugbenzin-Versorgung bekommen, sollten „Mut fassen und sich die Straße von Hormus nehmen“. Die USA fühlten sich in Zukunft nicht mehr für Verbündete wie das Königreich oder das „nicht hilfreiche“ Frankreich zuständig, die den Krieg-führenden Staaten am Persischen Golf ihre aktive Hilfe verweigern: „Holt Euch doch Euer Öl selbst!“
Ob der verächtliche Ton bereits auf die tägliche, bisher enge „besondere Zusammenarbeit“ abfärbt? Darüber gibt es in London unterschiedliche Angaben. Pessimisten weisen darauf hin, dass bei Ministeriumsbesprechungen zunehmend US-Vertreter von heiklen Besprechungen ausgeschlossen werden. Auch dauere es plötzlich länger, bis das Gastland US-Flugzeugen Starts und Landungen am RAF-Stützpunkt Fairford genehmigen. Optimisten zitieren das Eisberg-Prinzip: Geheimdienste und Militärs arbeiten seit Jahrzehnten vertrauensvoll miteinander, da komme es auf ein wenig Turbulenz an der Oberfläche nicht an. „Das geht so weiter wie zuvor“, hat der frühere Nationale Sicherheitsberater Peter Ricketts der Financial Times gesagt.
Von der Wirtschaftslage auf der Insel lässt sich dies nicht sagen. Nach dem Pariser Thinktank OECD hat nun auch der Internationale Währungsfonds IWF die Brexit-Insel als „besonders anfällig“ für höhere Energiepreise bezeichnet. Binnen zwei bis vier Wochen, so die Prognose von Londoner Fachleute, seien Engpässe bei Flugbenzin und Diesel zu erwarten.
Vorräte der NHS gegen zur Neige
Am Montag versammelte der Premierminister die Entscheidungsträger von Energiekonzernen, Banken und Reedereien um sich. Die zukünftige Versorgungslage der Insel sei gewährleistet, hieß es anschließend, aber: „Das muss eine gemeinsame Anstrengung sein.“ Diese Botschaft will am Mittwoch auch Finanzministerin Rachel Reeves den Spitzen der marktführenden Supermärkte predigen. Ein erster Termin war vergangene Woche geplatzt, weil Regierungsstellen die Einzelhandelsgiganten wie Tesco, Sainsbury und Lidl unlauterer Profite bezichtigt hatten.
War bisher vor allem von den Produkten der Öl- und Gasförderung im Nahen Osten die Rede, so verlagert sich die Diskussion nun auf andere Artikel, die von der Krise am Persischen Golf betroffen sind. Am Dienstag schlug der Leiter der Gesundheitsbehörde für England Alarm: Die Vorräte des NHS an Spritzen, intravenösen Kanülen und keimfreien Handschuhen reichten nur noch für „wenige Tage“. Da kommt der angekündigte Streik der Krankenhausärzte für die Woche nach Ostern denkbar ungelegen.
Regierungschef Starmer hat, aller Rhetorik zum Trotz, die „defensiven“ amerikanischen Luftschläge gegen Iran von britischen Luftwaffenstützpunkten aus zugelassen und bastelt eigener Einlassung zufolge an einer „möglichen Lösung“ der Krise an der Meerenge von Hormus. Gemeint ist damit, offenbar im Einklang mit Frankreich und Deutschland, ein Marine-Einsatz nach Beendigung der Kampfhandlungen.
Minenräumer bereiten sich für Einsatz vor
Zu diesem Zweck wird derzeit in Gibralter die RFA Lyme Bay zur Minenräumung ausgerüstet. Da das Landeschiff mit seiner Besatzung von normalerweise 350 Menschen nur leicht bewaffnet ist, bräuchte es für den Einsatz in der lediglich 38 Kilometer breiten Straße von Hormus wohl Begleitung mit besserer Abschreckung gegen etwaige iranische Drohnen.
Die Royal Navy (RN) galt lange als weltweit führend bei der Bekämpfung und Räumung von Minen. Allerdings haben sowohl Briten wie Amerikaner im vergangenen Winter ihre herkömmlichen Minensuchschiffe von Standorten im Golf abgezogen. In Zukunft sollen unbemannte Boote von Mutterschiffen wie RFA Lyme Bay aus auf Minenjagd gehen. Die maritimen Drohnen vom Typ Ariadne - in Zusammenarbeit mit Frankreich entwickelt - haben sich bei Tests als hocheffizient erwiesen. Fachleute sprechen von „Weltklasse“, warnen aber wie der frühere Fregattenkapitän Tom Sharpe vor allzu großem Optimismus. Schließlich herrschten in einem Kampfgebiet etwas andere Bedingungen als bei Probefahrten.
Während sich der Minenräumer für einen Einsatz im Persischen Golf vorbereitet, schickt Starmer seine beste diplomatische Waffe nach Washington: Ende des Monats soll der längst angekündigte Staatsbesuch von König Charles III und seiner Gattin Camilla steigen. 250 Jahre nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten vom Mutterland will außerdem Thronfolger William als Schirmherr des englischen Fußballverbands FA zur WM im Sommer reisen.