Iran-Krieg
Teheran setzt auf Öl als Druckmittel
Im Iran-Krieg setzt die Islamische Republik auf das Thema Öllieferungen als Druckmittel: Der Iran werde nicht zulassen, „dass auch nur ein Liter Öl aus der Region an die feindliche Seite und ihre Partner exportiert wird“, erklärten die iranischen Revolutionsgarden am Dienstag
Die Auswirkungen des Krieges in der Golfregion sind längst weltweit zu spüren Foto: Sajjad Hussain/AFP
US-Präsident Donald Trump steht vor den Midterm-Wahlen im November wegen hoher Treibstoffpreise innenpolitisch unter Druck. Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende erteilten die Revolutionsgarden eine Absage.
Die Ölpreise stiegen am Dienstag nach einer vorübergehenden Erholung wieder. Trump hatte am Montagabend gesagt, der Krieg sei „so gut wie“ beendet. Dies führte zunächst zu einem Absinken der Preise. Die Revolutionsgarden betonten, sie allein würden über ein Kriegsende entscheiden: „Wir werden es sein, die das Ende des Krieges bestimmen“, erklärte die Eliteeinheit in Teheran. Nach den Worten von Irans Außenminister Abbas Araghtschi will das Land seine Raketenangriffe „so lange wie nötig“ fortsetzen.
In Saudi-Arabien stellte eine der größten Raffinerien der Welt nach einem Drohnenangriff vorerst den Betrieb ein. In den Vereinigten Arabischen Emiraten verursachte ein Drohnenangriff einen Brand in einem Industriegebiet in Abu Dhabi. In der katarischen Hauptstadt Doha waren laut AFP-Reportern starke Explosionen zu hören. Das katarische Verteidigungsministerium meldete einen abgewehrten Raketenangriff.
Trumps Äußerungen zu einem angeblichen baldigen Kriegsende wurden in Washington als Anzeichen für wachsende Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Israel über die Kriegsstrategie und die Dauer des Konflikts gelesen. Wegen der auch in den Vereinigten Staaten gestiegenen Benzinpreise steht die Trump-Regierung unter Druck. Das Thema könnte sich auf die US-Zwischenwahlen im November auswirken. Trumps Umfragewerte waren bereits vor Beginn des Iran-Krieges stark gesunken.
Im Gegensatz zu Trump deutete der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, dass der Krieg noch dauern könnte: Israels Bestreben sei es, „das iranische Volk vom Joch der Tyrannei zu befreien“. Es bestehe kein Zweifel, dass man der Führung in Teheran „mit den bisherigen Maßnahmen die Knochen breche – und noch nicht fertig sei“, sagte Netanjahu.
667.000 Menschen vertrieben
Die israelische Armee flog am Dienstag erneut Angriffe auf die iranische Hauptstadt Teheran. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass die Stadt von heftigen Explosionen erschüttert wurde.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte für Dienstag eine Verschärfung der US-Angriffe auf den Iran an: „Heute wird der intensivste Tag unserer Angriffe im Iran sein“, sagte Hegseth im Pentagon. Sein Ministerium erklärte im Onlinedienst X: „Wir haben gerade erst begonnen zu kämpfen.“
Israel griff laut libanesischen Staatsmedien erneut südliche Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut an, die als Hochburgen der proiranischen Hisbollah-Miliz gelten. Nach Angaben der Vereinten Nationen stieg die Zahl der durch israelische Angriffe im Land vertriebenen Menschen innerhalb eines Tages um rund 100.000 auf mehr als 667.000.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Bereits am ersten Kriegstag töteten sie den obersten Anführer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Mit der Ernennung von Chameneis Sohn Modschtaba zum obersten Führer des Iran am Sonntag trotzen die Ultrakonservativen den USA und Israel. Zudem sorgten die Revolutionsgarden für die Sperrung der Straße von Hormus, über die normalerweise rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls transportiert werden.
Bisher kein US-Geleitschutz für Öltanker
Das Weiße Haus hat unterdessen Angaben aus der US-Regierung über die angebliche Eskortierung eines Öltankers in der Straße von Hormus dementiert. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, stellte am Dienstag in Washington klar, die US-Marine habe „bislang keinen Tanker oder ein anderes Schiff eskortiert“.
US-Energieminister Chris Wright hatte zuvor im Onlinedienst X zunächst von einer „erfolgreichen“ Eskorte für einen Tanker durch die Meerenge geschrieben. Kurz danach wurde der Beitrag wieder gelöscht. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, kein US-Schiff habe es gewagt, sich der Meerenge zu nähern. Die Ölpreise hatten nach Wrights Tweet deutlich nachgegeben.