Iran-Krieg

Teheran droht mit Angriffen auf Urlaubsziele weltweit – USA und Israel im Fadenkreuz iranischer Vergeltung

Der Krieg der Vereinigten Staaten und von Israel gegen den Iran hat nach drei Wochen die gesamte Region und die Weltmärkte destabilisiert. Ein Ende ist nicht in Sicht, die Zeichen stehen weiter auf Eskalation. Der Iran droht inzwischen mit Angriffen auf Urlaubsorte.

Eine israelische Raktete zerstört ein Haus in Beirut

Eine israelische Raktete zerstört ein Haus in Beirut Foto: AFP/Fadel Itani

Drei Wochen dauert der Krieg der USA und Israels gegen den Iran nun an. Inzwischen steht die ganze Region in Flammen und Israel vor einer größeren Bodenoffensive im Libanon, das den schlimmsten Beschuss seit vielen Jahren erlebt. Zeichen der Deeskalation sind bislang nicht zu erkennen. Im Gegenteil.

Während Donald Trump vom US-Kongress 200 Milliarden Dollar für seinen Krieg fordert, was „ein kleiner Preis sei, um sicherzustellen, dass wir ganz oben bleiben“, wird die Energieinfrastruktur der Golfanrainer immer mehr zerschossen. Inzwischen brennt das größte Gasfeld der Welt im Iran, das sich Teheran mit Katar teilt. Katar rechnet nach dem Einschlag einer iranischen Rakete mit einem jahrelangen Ausfall seines einzigen Flüssiggasterminals. Auch die Energieinfrastruktur in Kuwait, Saudi-Arabien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist längst Ziel iranischer Vergeltungsschläge. Die Straße von Hormus, ein äußerst wichtiger Handelsweg, ist de facto für Schiffe unpassierbar. Die Preise für Öl und Gas steigen quasi täglich, und ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht.

Netanjahu will den Iran „dezimieren“

Die USA und Israel eliminieren seit 21 Tagen eine iranische Führungsfigur nach der anderen. Angefangen hat es mit dem Schlag gegen den Obersten Geistlichen Führer Ali Chamenei gleich zu Kriegsbeginn. Am Freitag meldete Israel die Tötung des Geheimdienstchefs der paramilitärischen Basidsch-Miliz. Dutzende andere, darunter der mächtige Sicherheitschef Ali Laridschani, wurden in den Tagen dazwischen vor allem von Israel gezielt ausgeschaltet. „Wir gewinnen und der Iran wird dezimiert“, betonte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Donnerstagabend.

Muslime in Jerusalem mussten ihre Gebete zum Ende des Ramadan vor den Toren der Altstadt abhalten

Muslime in Jerusalem mussten ihre Gebete zum Ende des Ramadan vor den Toren der Altstadt abhalten Foto: AFP/Ahmad Gharabli

Doch die bereits Dezimierten geben noch nicht klein bei, sondern weiten ihre Drohungen aus. Geht es nach der iranischen Führung, sollen Militärangehörige der USA und Israels auch im Urlaub und bei Freizeitaktivitäten nicht mehr sicher sein. „Wir haben ihre feigen Beamten, Kommandeure, Piloten und niederträchtigen Soldaten im Blick“, sagte der Sprecher der iranischen Armee am Freitag. Den Tod des Sprechers der iranischen Revolutionsgarden hatte Israel da erst gerade bekannt gegeben. „Von nun an werden für sie auch die Promenaden, die Urlaubsresorts sowie die Tourismus- und Unterhaltungszentren weltweit nicht mehr sicher sein“, hieß es weiter aus Teheran, und der Westen horchte auf: Angriffe auf Urlaubsziele, kehrt damit der Terror in die westlichen Staaten zurück?

Von nun an werden für sie auch die Promenaden, die Urlaubsresorts sowie die Tourismus- und Unterhaltungszentren weltweit nicht mehr sicher sein

Drohung Teherans an Militärangehörige der USA und Israels

Das israelische Militär nahm am Freitag derweil erstmals Ziele am Kaspischen Meer ins Visier. Bisher war die bei Urlaubern beliebte Region weitgehend von Angriffen verschont geblieben. Laut iranischen Behörden wurden bei Luftangriffen der USA und Israels außerdem mindestens 16 iranische Frachtschiffe in iranischen Häfen am Persischen Golf zerstört.

Netanjahu zufolge sei der Iran mittlerweile nicht mehr in der Lage, Uran anzureichern oder ballistische Raketen herzustellen, der Krieg werde „viel schneller enden, als die Leute denken“. Netanjahu fügte aber hinzu: „Es gibt noch mehr zu tun und wir werden es tun.“ Die iranischen Revolutionsgarden wiesen Netanjahus Äußerungen zurück. Die Raketenproduktion im Iran werde „selbst unter Kriegsbedingungen“ fortgesetzt. In unmittelbarer Nähe der Altstadt von Jerusalem schlug am Freitag ein Geschoss ein. Rauch stieg in der Nähe der Stadtmauern auf, wie das israelische Fernsehen zeigte. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hatten zuvor laute Explosionen über Jerusalem gehört. Auf Bildern israelischer Medien war ein Krater in einer Straße zu sehen, die anscheinend in der Nähe des jüdischen und armenischen Viertels der Altstadt liegt.

Trauernde nehmen Abschied vom ermordeten iranischen Geheimdienstminister in Teheran

Trauernde nehmen Abschied vom ermordeten iranischen Geheimdienstminister in Teheran Foto: AFP

Hunderte Muslime mussten ihre Gebete zum Ende des Ramadan am Freitag vor den Toren der Jerusalemer Altstadt abhalten, weil der Zugang zur Al-Aksa-Moschee seit Beginn des Iran-Kriegs gesperrt ist. Immer wieder versuchten Gläubige mit Gebetsteppichen unter dem Arm im Morgengrauen durch die Tore in die Altstadt zu gelangen. Dutzende israelische Polizisten drängten sie zurück, teilweise mit Gewalt. Am Freitag wurde im Iran auch das persische Neujahrsfest Nowruz begangen. Auf den Märkten in Teheran kauften Menschen neue Kleidung und Geschenke, der Andrang war jedoch geringer als üblich, wie AFP-Korrespondenten berichteten.

Trump nennt NATO-Verbündete „Feiglinge“

Wegen ihrer Haltung im Iran-Krieg beschimpfte Trump die NATO-Verbündeten am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social als „Feiglinge“. Trump schrieb, die Partner beschwerten sich im Iran-Krieg über die hohen Ölpreise, wollten aber nicht helfen, die Straße von Hormus zu öffnen. Dabei sei dies „ein einfacher militärischer Schritt“ mit „geringem Risiko“. „COWARDS“, fügte Trump in Großbuchstaben hinzu. Die USA würden sich dieses Verhalten merken. Ohne die Vereinigten Staaten sei die NATO nur „ein Papiertiger“, schrieb er zudem.

Trump hatte von den Verbündeten verlangt, militärisch bei der Sicherung der Schifffahrt durch die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und Iran zu helfen. Nachdem viele Länder ablehnend reagiert hatten, warf der US-Präsident der NATO einen „sehr dummen Fehler“ vor und nannte die Haltung der NATO-Staaten „sehr schockierend“. Zugleich erklärte er allerdings, die USA bräuchten die Unterstützung der Verbündeten gar nicht.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten bei einem Gipfel am Donnerstag in Brüssel betont, sie schlössen eine aktive Teilnahme am Krieg weiter aus. Zudem forderten sie „ein Moratorium für Angriffe auf Energie- und Wasserversorgungsanlagen“. Eine Forderung, die zu verpuffen droht angesichts der tagtäglichen Eskalation in diesem Krieg.

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