Analyse
Stich(wahl) ins linke Herz: Ein Ultrarechter wird chilenischer Präsident
Das Ergebnis bestätigt alle Prognosen, die dem ultrarechten Kandidaten den Sieg gegen die Mitte-links-Kandidatin Jeannette Jara vorausgesagt hatten. Mit 58,2 Prozent der Stimmen hielt José Antonio Kast seine Kontrahentin in der Stichwahl auf Distanz.
Der amtierende chilenische Präsident Gabriel Boric (links) zeigt seinem designierten Nachfolger, dem Wahlsieger José Antonio Kast, wo es im Präsidentenpalast „La Moneda“ langgeht. Kast schaut, von ihm aus betrachtet, nach links – aber eine ausgeprägte Rechts-links-Schwäche ist bei ihm nicht bekannt Foto: Rodrigo Arangua
Schon gut ein Vierteljahrhundert, ziemlich genau 26 Jahre, ist es her, als Ricardo Lagos im Dezember 1999 als erster linker Politiker seit Salvador Allende zum Präsidenten Chiles gewählt worden war. Der Sozialist, der während des Militärregimes von General Augusto Pinochet (1973-1990) eine Zeit lang im Exil lebte, hatte gegen Ende der Diktatur bei seinen Landsleuten dafür geworben, beim Referendum von 1988 mit „No“ gegen eine Fortsetzung der Pinochet-Herrschaft zu stimmen.