Drohnenalarm in Litauen
Staatsspitze zeitweise in Bunker untergebracht
In den Luftraum der baltischen Staaten sind zuletzt mehrfach fehlgeleitete ukrainische Drohnen eingedrungen und abgestürzt. In Litauen gab es nun erneut Alarm – die Staatsspitze musste in den Bunker.
Menschen suchen Schutz in einer Tiefgarage während eines Luftalarms in Vilnius Foto: Vygintas Skaraitis/Lrytas/AP/dpa
In Litauen ist bei einem erneuten Drohnenvorfall Luftalarm in der litauischen Hauptstadt Vilnius ausgelöst worden. Die Einwohner sollten auf Aufforderung der Behörden vorsorglich Schutz suchen. Auch die Staatsspitze wurde nach Medienberichten zur Sicherheit in Schutzräume gebracht. Der Luftraum über dem Flughafen wurde gesperrt und auch der Zugverkehr zwischenzeitlich ausgesetzt. Später wurde Entwarnung gegeben und der Alarm für Vilnius nach einer guten halben Stunde aufgehoben.
„Dieser Vorfall ähnelt dem, was wir in den vergangenen Tagen in Lettland und Estland erlebt haben“, teilte das litauische Militär mit. „Die Warnung der Bevölkerung ist eine übliche Präventivmaßnahme.“ Nach Angaben des Leiters des Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, war eine Drohne über dem Bezirk Vilnius gesichtet worden. Wegen ihrer Flugbahn hätten die Bewohner der Hauptstadt eine dringende Warnung erhalten. Das Flugobjekt sei später vom Radar verschwunden, sagte Vitkauskas. Der Verbleib war unklar.
Zuvor hatten die Streitkräfte die Bevölkerung über eine mögliche Bedrohungslage durch eine Drohne im Osten des Landes informiert. Demnach wurde in Grenznähe ein mutmaßliches Flugobjekt gesichtet, das sich aus Richtung Belarus dem baltischen EU- und Nato-Land näherte. Nato-Kampfjets seien alarmiert worden – sie konnten das Flugobjekt nach Militärangaben aber nicht sichten. Vilnius befindet sich rund 30 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt.
Präsidialkanzlei: Drohnen-Warnsystem funktioniert
Nach Angaben der litauischen Präsidialkanzlei hat das Warnsystem nach dem Drohnenalarm wie vorgesehen funktioniert. Ein Berater von Staatspräsident Gitanas Nauseda sagte, dass ähnliche Vorfälle sich wiederholen könnten, solange Russlands Krieg in der Ukraine andauert. Parlamentspräsident Juozos Olekas, der zusammen mit anderen Abgeordneten und Mitarbeitern Zuflucht im Schutzraum der Volksvertretung suchte, lobte das besonnene Verhalten der Bevölkerung.
Im Zuge des Ukraine-Krieges hatte es zuvor bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen im Luftraum des an Russland und Belarus grenzenden Landes gegeben. Auch im benachbarten Lettland wurde die Bevölkerung von mehreren Regionen nahe der Grenze zu Russland gewarnt. Nach Angaben des litauischen Militärs habe Belarus habe die beiden Länder über ein möglicherweise unbemanntes Fluggerät informiert, das sich deren Luftraum nähere.