Nach Parlamentswahl
Serbien feiert das Ende der bleiernen Vucic-Ära und einen Neuaufbruch
Euphorisch haben die Serben auf den Erdrutschsieg der Studentenliste und die Abwahl des autoritär gestrickten Ex-Präsidenten Aleksandar Vucic reagiert. Nun harrt auf das Land ein schwieriger Neubeginn.
Die Anhänger der Studentenliste feierten auf den Straßen von Belgrad ihren Wahlsieg Foto: Oliver Bunic/AFP
Wenn die Nacht zum Freudentag wird. Feuerwerkskörper und Rauchfackeln erhellten die in ein rauchiges Rot getauchten Straßenschluchten rund um den Slavija-Platz. „Sieg, Sieg, Sieg“, skandierten die ausgelassenen Menschenmassen. Mit Freudentränen in den Augen fielen sich zwei betagte Freundinnen in die Arme. Wildfremde ringelten sich gemeinsam im Kola-Reigentanz. Hupend begleiteten feststeckende Autofahrer die Spottgesänge auf Serbiens überraschend deutlich abgewählten Ex-Präsidenten: „Der Regen strömt, Vucic geht, Vucic geht!“
Eine Stunde früher als von ihm angekündigt war der müde wirkende Strippenzieher im Hauptquartier seiner SNS vor die Kameras getreten. Doch anstatt wie vorab erwartet seinen angeblichen Sieg bei der vorgezogenen Parlamentswahl zu verkünden, räumte Aleksandar Vucic die krachende Schlappe seiner regierenden SNS (39,29 Prozent) und der mitregierenden SPS (2,3 Prozent) gegen die neue Studentische Liste (SL) (52,54 Prozent) offen ein: „Es ist klar, dass wir diese Wahlen verloren haben.“