Vom Komiker zum Helden
Selenskyj – der Churchill für den Krieg im YouTube-Zeitalter
Wie konnte ein Komiker erst zum Präsidenten und dann zum Kriegshelden werden? Eine Analyse seiner Reden an die Europäer, die Amerikaner, die Briten und die Deutschen zeigt das besondere Talent Wolodymyr Selenskyjs, Identifikation zu stiften – und die Ukrainer zum Durchhalten zu motivieren. Wie ein berühmtes Vorbild.
Auf historischer Mission: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer seiner Videoansprachen Foto: Pressebüro des ukrainischen Präsidenten via AP/dpa
Wassilyj Petrowytsch Holoborodko hätte auch einfach eine schreiend komische Episode bleiben können. Die TV-Figur des ukrainischen Lehrers, der über die Korruption in seinem Land schimpft – und plötzlich Präsident ist. Nichts, was mit den realen Herausforderungen zu tun hat. Ähnlich jener Figur, die sich nach dem Karriere-Aus zum Malen und Schreiben aufs Land zurückzieht, über die Beschwichtigungspolitik seines Landes wettert und deshalb als alter Kriegstreiber abgehakt wird. Doch die Geschichte will es anders. Der Schauspieler und Komiker, der keine politischen Ambitionen zu haben scheint, wird tatsächlich Präsident der Ukraine: Wolodymyr Selenskyj. Der Maler und Kolumnist, der seine politische Karriere hinter sich zu haben scheint, ist plötzlich britischer Premier: Winston Churchill. Sie verbindet viel.