Deutschland
Seine Eltern waren Gastarbeiter. Jetzt will Luigi Pantisano Linken-Chef werden
Nach dem angekündigten Rückzug von Jan van Aken hat der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano angekündigt, als Parteichef zu kandidieren. Wie er die Linke positionieren möchte und was er über Gregor Gysi denkt.
Luigi Pantisano hat seinen Hut für das Amt des Parteivorsitzenden bei den deutschen Linken in den Ring geworfen Foto: Helena Dolderer/dpa
Schon früh habe er gelernt, was es heißt, sich durchs Leben zu kämpfen, sagt Luigi Pantisano. Als Sohn italienischer Gastarbeiter wurde er 1979 in Waiblingen in Baden-Württemberg geboren. „In der Hauptschule habe ich erlebt, wie es ist, wenn Politik einen von oben herab behandelt“, betont er. Seine Eltern arbeiteten in Fabriken. Trotzdem gelang Pantisano der soziale Aufstieg, er studierte Architektur und Stadtplanung. Nebenbei begann er früh, sich politisch zu engagieren. Im vergangenen Jahr schaffte er mit der Linken den Einzug in den Bundestag. Nun will Pantisano in seiner Partei ganz nach oben – und Jan van Aken als Parteivorsitzender beerben.
Seit Mittwoch ist bei der Linken viel in Bewegung gekommen. Zunächst hatte Jan van Aken erklärt, beim Parteitag im Juni anders als ursprünglich geplant nicht mehr als Vorsitzender zu kandidieren. Er gab dafür gesundheitliche Gründe an. Nur wenige Stunden später warf Pantisano öffentlich seinen Hut in den Ring. Den Kurs, den die Partei in den vergangenen Jahren eingeschlagen hat, wolle er im Falle seiner Wahl fortsetzen. „Ich möchte die verbindende Rolle, die Jan van Aken gespielt hat, genauso übernehmen“, sagt er.
Kein Bewegungslinker
Im Moment scheinen Pantisanos Chancen ganz gut zu stehen. Neben ihm hat bislang niemand seine Kandidatur für van Akens Posten erklärt. „Ich freue mich sehr, dass Luigi Pantisano sich bereit erklärt, für die Partei Verantwortung zu übernehmen“, sagt die Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner. Anders als van Aken will sie als Parteivorsitzende weitermachen. Auch Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek äußert sich positiv zur Kandidatur – sie selbst bekundet für das Amt keine eigenen Ambitionen. Im Bundestag ist Pantisano momentan Fraktionsvize, vor einigen Jahren arbeitete er schon als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den ehemaligen Linken-Vorsitzenden Bernd Riexinger.
Unklar ist, wie der pragmatische Flügel in der Linken – die Reformer – auf Pantisano schauen. Der 46-Jährige war bei den Bewegungslinken aktiv, die einer Regierungsbildung kritisch gegenüberstehen. Heute versucht Pantisano Zweifel zu zerstreuen. „Die Bewegungslinke hat sich aufgelöst. Ich bin kein Mitglied irgendeiner Parteiströmung“, sagt er. Auch in Richtung eines Parteiurgesteins findet er versöhnliche Worte. „Gregor Gysi hat mich als Jugendlicher begeistert. Er war früh ein politisches Vorbild für mich – wie für so viele junge migrantische Menschen“, lässt er wissen. Das ist bemerkenswert – schließlich hatte die migrantische Linke Gysi erst kürzlich „rassistische Narrative“ vorgeworfen. In der Nahost-Debatte unterstütze er außerdem den ausgleichenden Antrag der Parteiführung, betont Pantisano.
Mitgliederzahl erhöhen
Der 46-Jährige will nach eigenem Bekunden aber andere Themen in den Fokus stellen. „Mein Ziel ist es, Beschäftigte und Arbeiter für die Linke zurückzugewinnen, damit sie nicht weiter in die Hände der Rechten getrieben werden. Ich will diese Aufgabe übernehmen, die die SPD leider aufgegeben hat“, sagt er. CDU und SPD würden die Axt an den Sozialstaat anlegen, kritisiert der Linke. „Ich will von den Haustüren an die Werkstüren gehen und hören, was uns die Beschäftigten zu sagen haben – auch wenn ich weiß, dass das nicht leicht sein wird.“ Die Zahl der Mitglieder in seiner Partei soll sich nach seinem Willen von derzeit 120.000 auf 200.000 erhöhen.
Die „Fundamentalopposition“ seiner Partei gelte derweil der AfD, betont Pantisano. „Wir werden alles daransetzen, damit die AfD nicht an die Macht kommt“, so der Kandidat für den Parteivorsitz. Ob er dafür auch mit der CDU zusammenarbeiten würde? „Meine Aufgabe ist, das Leben der Menschen zu verbessern. Das habe ich kommunalpolitisch immer so gemacht. Ich mache das im Zweifel auch mit der CDU. Wenn ich Dinge verbessern kann für die Menschen – warum nicht?“, führt er aus.
Sollte Pantisano gewinnen, wäre er der erste Linken-Chef mit Migrationsgeschichte. Das letzte Wort über den Mann, der sich im Leben bislang immer durchzukämpfen wusste, hat Mitte Juni aber der Bundesparteitag in Potsdam.