Textilfabriken

Schwache Nachfrage: Näherinnen in Bangladesch verlieren ihre Arbeit

In Bangladesch müssen auch wegen schwacher Nachfrage aus dem Westen viele Textilfabriken schließen. In den vergangenen zwei Jahren machten 400 der insgesamt rund 4.000 Fabriken in dem südostasiatischen Land dicht, wie kürzlich der Textilexportverband des Landes mitteilte. Weggefallen sind damit Zehntausende Jobs.

Der 27-jährigen Mosammat Aklima (r.) wurde nach acht Jahren beim Unternehmen Lithe Garments gekündigt

Der 27-jährigen Mosammat Aklima (r.) wurde nach acht Jahren beim Unternehmen Lithe Garments gekündigt Foto: Munir Uz Zaman/AFP

Die 27-jährige Mosammat Aklima bekam die Mitteilung ihrer Entlassung im Juli per Textnachricht – nach acht Jahren beim Unternehmen Lithe Garments. Die Firma entließ 3.000 Menschen auf einen Schlag. Aklima verdiente umgerechnet knapp 220 Euro im Monat, ein neuer Job ist nicht in Sicht.

Einige Textilfabriken mussten schließen, weil die Exporte auf dem „hart umkämpften“ Weltmarkt insgesamt zurückgingen und die Unternehmen im Wettbewerb nicht mehr mithalten konnten, sagt der Vorsitzende des Textilexportsverbands, Mahmudul Hasan Babu. Die Bekleidungsimporte der Europäischen Union etwa gingen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres zurück – die Einfuhren aus Bangladesch verzeichneten laut Eurostat-Daten dabei den stärksten Rückgang unter den wichtigsten Lieferanten.

Experten verweisen auf strukturelle Schwächen: Die Textilbranche in Bangladesch konzentriert sich nach wie vor auf Produkte mit geringen Gewinnspannen wie T-Shirts und Jeans – die Konkurrenz produziert teurere Kleidung mit Kunstfasern. Bangladesch ist damit stark von importierter Baumwolle und anderen Fasern abhängig. Das treibt die Produktionskosten in die Höhe.

Druck auf die Branche wird zunehmen

„Wir sind bei einfachen Produkten hängen geblieben“, kritisiert Mohiuddin Rubel, Gründer und Geschäftsführer der Lobbygruppe „Apparel Voice“. Chancen im Bereich der Militäruniformen und der medizinischen Bekleidung hätten die Unternehmen „nicht voll ausgeschöpft“. Laut einer Studie der Weltbank setzen die meisten Bekleidungsfabriken in Bangladesch zudem nach wie vor auf halbautomatisierte, arbeitsintensive Prozesse – Konkurrenten wie Vietnam dagegen haben rasch auf fortschrittliche Fertigungsverfahren umgestellt.

Der Textilexportverband fürchtet, dass sich der Druck auf die Branche in den kommenden Jahren noch verstärken wird. 2029 könnte Bangladesch den zollfreien Präferenzzugang zu den Märkten in Europa und anderen Ländern verlieren, weil dann sein Status als eines der am wenigsten entwickelten Länder auslaufen soll.

Die Textilbranche ist enorm wichtig für Bangladesch: Ihre Exporte summierten sich 2025 auf umgerechnet fast 34 Milliarden Euro, das waren rund 80 Prozent der Exporteinnahmen des Landes. 4,5 Millionen Menschen schneidern und nähen in den Textilfabriken, die meisten von ihnen Frauen. (AFP)

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