Bulgarien
Russophiler Ex-Präsident Rumen Radew geht bei Parlamentswahl als klarer Favorit ins Rennen
Über neun Jahre stand er an der Spitze des Staates. Nun zieht Bulgariens russophiler Ex-Präsident Rumen Radew als selbsterklärter Kämpfer gegen das Establishment mit seinem Parteibündnis am Sonntag als Favorit in die achte Parlamentswahl in fünf Jahren. Doch klare Mehrheiten zeichnen sich nicht ab.
Der ehemalige bulgarische Präsident Rumen Radev strebt nun das Amt des Regierungschefs an Foto: Nikolay Doychinov/AFP
Den Glauben an den Sinn des vermeintlichen Feiertags der Demokratie hat die Mehrheit der wahlermatteten Bulgaren längst verloren. Zum achten Mal in fünf Jahren haben die offiziell 6,57 Millionen Wahlberechtigten in dem laut der letzten Volkszählung auf 6,51 Millionen Einwohner geschrumpften Balkanstaat am Sonntag ein neues Parlament zu wählen. Große Hoffnung auf politisch stabilere Zeiten hegt die Mehrheit kaum mehr: Laut Umfragen glaubt nur noch ein Drittel der Bulgaren, dass dem künftigen Parlament die Bildung einer Regierung gelingt.
Ob gewählte Kurzzeit- oder vom Staatsoberhaupt ernannte Interimsregierungen: Selbst Bulgaren sind die sich ständig ändernden Namen ihrer an- und abgetretenen Ministerriegen kaum mehr vertraut. Denn seit der Corona-Pandemie wird das Politparkett des ärmsten EU-Mitglieds von unablässigen Regierungswechseln, unzähligen Urnengängen, auf- und wieder abtauchenden Parteineulingen und den immer wieder aufflackernden Protestwellen gegen die florierende Korruption und Vetternwirtschaft geprägt – und erschüttert.