Kreml droht Lettland

Russlands Krieg rückt ans Baltikum heran

Vor ein paar Jahren hätte man eine Luftschlacht zwischen F-16 und Drohnen mit fünf beteiligten Ländern als entferntes Zukunftsmärchen abgetan: Doch am Dienstagmorgen haben je ein schwedischer und rumänischer NATO-Kampfjet tatsächlich über dem größten estnischen See Vortsjärv eine aus Russland in den kleinsten Baltenstaat eindringende mutmaßlich ukrainische Drohne kurzerhand abgeschossen.

Präsident Edgars Rinkevics und Oppositionspolitiker Andris Kulbergs bei Ernennung des neuen Regierungschefs in Lettland nach Koalitionsstreit zu ukrainischen Drohnen

In Lettland entzweite sich vergangene Woche die Regierungskoalition wegen der ukrainischen Drohnen, weshalb der Präsident Edgars Rinkevics (r.) mit dem Oppositionspolitiker Andris Kulbergs (l.) einen neuen Regierungschef ernannte Foto: AFP

„Es gab einen großen Knall, zwei Düsenjets waren beteiligt“, berichtete ein Dorfbewohner von Kablaküla im estnischen Staatsradio. Ein im litauischen Sialiai stationierter NATO-Jet aus Rumänien schoss die Drohne kurzerhand ab. „Es ist das erste Mal, dass die NATO in Estland eine Drohne abschoss“, sagte Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur auf einer Pressekonferenz in der 130 Kilometer nordöstlich gelegenen Hauptstadt Tallinn. Estland habe eine Warnung aus dem südlichen Nachbarland Lettland erhalten, deren Radar hätte die Drohne als erstes entdeckt. „Dann hat sie ein NATO-Air Policing Kampfjet abgeschossen“, erklärt Pevkur. Der Kampfjet war in Litauen stationiert, im Hauptquartier der gemeinsamen Luftverteidigung für die drei baltischen Staaten.

Bei der Drohne handelte es sich laut dem estnischen Außenpolitiker Marko Mikelson höchstwahrscheinlich um eine missgeleitete ukrainische Drohne, die aufgrund russischer elektronischer Kriegsführung von Kurs abkam. „Estland hat niemandem erlaubt, seinen Luftraum mit Drohnen zu benutzen“, unterstrich Verteidigungsminister Pevkur. Kiew hat sich in Tallinn für den Zwischenfall entschuldigt. Dort hat man immer wieder betont, dass Russland an diesen Zwischenfällen schuld sei, nicht die Ukraine, die einen legitimen Verteidigungskampf führe.

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