Polen
Pogrom-Gedenken unter Polizeischutz – auch die Politik beendet die Versöhnungsgesten
Das Pogrom von Jedwabne stellt seit 20 Jahren eine große Wunde im polnischen Nachkriegsbewusstsein dar. Nun stören Rechtsradikale das Gedenken. Wichtige Regierungspolitiker waren nicht mal erschienen.
Stein auf Stein: Das Gedenken an Jedwabne spaltet Polen Foto: WikiCommons/Jacques Lahitte
Die Zeit der großen Versöhnungsgesten ist vorbei. Zu den Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag des Judenpogroms von Jedwabne delegierte Polens Regierungspartei einen Vertreter des Außenministeriums. Immerhin den Bildungsminister hatte die Kaczynski-Partei am Samstag dagegen ins katholische Nationalheiligtum Jasna Gora entsandt, wo der Pater Tadeusz Rydzyk den Jahrestag einer Pilgerfahrt seines teils antisemitischen „Radio Maryja“ feierte. Auch der Bürgermeister des Städtchens rund 170 Kilometer nordöstlich von Warschau blieb der Veranstaltung fern. Angereist war dafür der Chargé d’affaires der israelischen Botschaft und der abtretende, regierungskritische Bürgerombudsmann Adam Bodnar.