Interview (Teil 1)
Liebevolle Luxemburger, beknackter Behördendschungel: Eine Ukrainerin erzählt
Eine Flucht so weit wie von Luxemburg nach Madrid, vier Tage schlaflos im Grenzstau – und dann der Behördendschungel. Die Ukrainerin Anna Semianysta erzählt von liebevollen Luxemburgern, administrativer Kälte – und warum sie versteht, dass Flüchtlinge ein Problem für Europa sind. Ein Interview über Menschlichkeit und einen unglaublichen Realitätssinn.
Anna strotzt nur so vor Lebensfreude – dabei wurde sie bereits in ihrer Ukraine vertrieben und musste schließlich vor Putins eiskalter Invasion flüchten: ins ferne Differdingen. Fotos: Tom Jungbluth
Denis Semianystyi (40) hat gerade das Zimmer verlassen. Der Ukrainer bekam am Ende fast kein Wort mehr über die Lippen. Zu sehr hat ihn die Erinnerung belastet. „Das ist meine Heldin“, sagt Denis über seine Ehefrau Anna Semianysta (35). Die Familie war bereits zu Kriegsbeginn 2014 gemeinsam im Landesinneren geflüchtet – acht Jahre später trennen sie viele Kilometer. Der russische Invasionskrieg beginnt: Denis ist bei Freunden in Belgien, Anna mit den Kindern in der Ukraine.