Reportage
Leben unter russischem Beschuss
In der Nähe sind Einschläge zu hören. Bei jeder Explosion drückt Maria ihren Sohn an sich. Trotz der Bombardierungen will sie Sewerodonezk nicht verlassen. Sie gehören zu den wenigen Zivilisten, die noch in der Geisterstadt ausharren, der am weitesten im Osten gelegenen Stadt der Ukraine, die noch unter Kontrolle Kiews ist.
Maksym aus der ostukrainischen Stadt Rubischne hat seinen Nachbarn, der durch russischen Beschuss getötet wurde, in dessen Garten begraben. Rubischne ist offenbar eines der nächsten Ziele der russischen Invasoren. Foto: AFP/Anatolii Stepanov
Mit dem sechsjährigen Maxim sitzt Maria auf der Türschwelle eines kleinen Hauses. Etwa zwanzig Minuten lang hört man das Zischen der Raketen, gefolgt von Explosionen. „Es gibt keine Elektrizität mehr, kein Wasser“, sagt die junge Frau, die hier mit ihrem Ehemann und ihrer Schwiegermutter wohnt. Dennoch ziehe sie es vor, zu Hause zu bleiben. „Wenn wir gehen, wohin gehen wir? Die, die weggehen, um die kümmert man sich drei Tage und danach nicht mehr“, sagt Maria. Die Leute müssten womöglich mit vielen anderen in einer Wohnung leben. Wieder eine Explosion. „Die Bomben? Das ist die ganze Zeit so“, bemerkt sie wie nebenbei.