Opfer des Alu-Booms
Konzern mit Niederlassung in Luxemburg gefährdet Gesundheit Tausender Menschen in Brasilien
Aluminium boomt. Das Leichtmetall, das aus dem Mineral Bauxit gewonnen wird, dient der Produktion von Autos und Maschinen, Leitungen und Rohren, Alufolie und Dosen – und der Herstellung von Solar- und Windkraftanlagen. Es ist also wichtig für die Energiewende. Seine Schattenseiten offenbart ein Besuch im brasilianischen Bundesstaat Pará.
Bewohner des Quilombos Sitio Conceição protestieren gegen eine Abwasseraufbereitungsanlage auf ihrem Gemeindegebiet und weisen auf die Schäden hin, die durch Hydro entstanden. Sie werden unterstützt vom Miserior-Partner Terra de Direitos, Bacaren. Foto: Florian Kopp/Miserior
Jucelina zittert die Stimme, als sie beginnt, davon zu erzählen, was am 5. Februar 2018 geschah. „Im Morgengrauen hatte es stark geregnet“, erinnert sich die junge Frau aus Barcarena, einer Stadt unweit der Amazonas-Metropole Belém. „Ich war bereits an meinem Arbeitsplatz, als sich die Menge des Wassers in den Auffangbecken dramatisch erhöhte. Wenn nicht ein Teil davon in den Fluss abgelassen worden wäre, hätte es die Wand des Beckens gesprengt.“ Jucelina sah die seltsam verfärbte Flüssigkeit in dem Becken. „Das Wasser musste kontaminiert worden sein“, sagt sie. „Wie sich später herausstellte, waren alle möglichen giftigen Substanzen eingedrungen, etwa Blei, vor allem aber roter Schlamm.“ Letzterer ist ein giftiger Rückstand, der bei der Gewinnung von Aluminiumoxid entsteht, einem Zwischenprodukt bei der Herstellung von Aluminium aus Erzen wie Bauxit. Dazu wurden Phosphor, Fluoride und Nitrat in hoher Konzentration nachgewiesen.