Erster Besuch seit Gefangennahme Maduros

Kolumbiens Präsident Petro reist nach Venezuela

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro ist am Freitag als erster ausländischer Staatschef seit der Gefangennahme des langjährigen Präsidenten Nicolás Maduro nach Venezuela gereist. Vereinbart wurde ein gemeinsamer Kampf gegen „Mafias“ an ihrer Grenze.

Delcy Rodriguez und Gustavo Petro treffen sich bei erstem Besuch nach Maduros Gefangennahme in Venezuela

Erster Besuch seit der Gefangennahme Maduros: Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodriguez (rechts) und der kolumbianische Präsident Gustavo Petro Foto: AFP/Federico Parra

Der kolumbianische Staatschef Gustavo Petro hat bei einem Besuch in Venezuela mit der dortigen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez eine militärische Zusammenarbeit zur Bekämpfung krimineller Banden an der gemeinsamen Grenze vereinbart. Petro sagte am Freitag (Ortszeit) in Caracas, die Nachbarstaaten würden optimal abgestimmte gemeinsame Anstrengungen unternehmen, „um die Menschen an der Grenze von den Mafias zu befreien“.

Petro verwies auf diverse illegale Aktivitäten an der rund 2.200 Kilometer langen gemeinsamen Grenze wie den Schmuggel von Kokain, illegal gefördertem Gold und seltenen Erden sowie Menschenhandel. Der Kolumbianer war der erste ausländische Staatschef, der seit der Gefangennahme des langjährigen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro nach Venezuela reiste.

Maduro war am 3. Januar bei einem US-Militäreinsatz in Caracas gefangengenommen und nach New York gebracht worden. Dort soll ihm wegen „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden. Petro hatte die Gefangennahme Maduros scharf kritisiert. Trump hatte Kolumbien daraufhin ebenfalls mit einer Militärintervention gedroht.

Das Treffen hätte ursprünglich schon im März in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta stattfinden sollte, war aber kurzfristig abgesagt worden. In der Gegend um Cúcuta sind zahlreiche Guerillagruppen aktiv, die auch mit Drogen handeln. Kolumbien beschuldigt Venezuela seit langem, den bewaffneten Gruppen Unterschlupf zu bieten, was Caracas bestreitet.

Auch Treffen mit Chef der diplomatischen Mission der USA

Rodríguez sagte zu der Vereinbarung mit Kolumbien, abgesehen von der militärischen Zusammenarbeit sehe diese vor, sofort einen Informationsaustausch zwischen beiden Ländern und die Ausweitung der Informationsbeschaffung in die Wege zu leiten. Die Regierungen beider Länder verfolgten beide „einen sehr ernsthaften, sehr umfassenden Ansatz im Kampf gegen kriminelle Banden“.

Bei dem Treffen ging es laut Rodríguez auch um die Zusammenarbeit im Energie-Bereich und den Stromanschluss für den Westen Venezuelas, wo es häufig Stromausfälle gibt. Auch die Vernetzung der Gasleitungen beider Länder könne bald abgeschlossen werden, erklärte die venezolanische Übergangspräsidentin. Damit könne Venezuela nicht nur Erdgas nach Kolumbien exportieren, sondern beide Nachbarn könnten auch gemeinsam Gas in andere Länder liefern.

Venezuela verfügt über die größten Rohölvorkommen der Welt, seine Öl-Infrastruktur ist allerdings marode. Derzeit arbeitet das Land daran, seinen Erdgas-Sektor auszubauen. Die USA hatten 2019 ein Öl- und Gas-Embargo gegen Venezuela verhängt, US-Präsident Donald Trump lockert die Sanktionen mittlerweile aber schrittweise.

Auf Druck der USA hat Venezuela seine Gesetz zu fossilen Energieträgern und die Bergbau-Regeln reformiert, um den Sektor für die Privatwirtschaft und damit für US-Unternehmen zu öffnen. Übergangspräsidentin Rodríguez empfing am Freitag den neuen Chef der diplomatischen Mission der USA in Venezuela, John Barrett, wie auf Bildern des Staatssenders VTV zu sehen war.

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