Straßburg
Julian Assange vor dem Europarat: „Ich bin frei, weil ich mich des Journalismus für schuldig befunden habe“
WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat sich vor dem Europarat in Straßburg erstmals seit seiner Freilassung öffentlich geäußert. Er sei nicht frei, weil das System funktioniert habe, sondern weil er sich des Journalismus schuldig bekannt habe.
Großer Moment im „Palais de l’Europe“ in Straßburg: Julian Assange äußert sich erstmals seit seiner Freilassung Foto: Editpress/Sidney Wiltgen
Fünf Jahre lang saß der australische WikiLeaks-Gründer Julian Assange in Haft, seit Juni 2024 befindet er sich wieder auf freiem Fuß. In einem ersten öffentlichen Auftritt vor dem Europarat in Straßburg meinte Assange, es sei gut, „unter Freunden zu sein“. Oder wie man in Australien sage: „It is nice to be around people who give a damn“ („Es ist schön, mit Menschen zusammen zu sein, denen das nicht egal ist“). 2010 veröffentliche Assange auf seiner Plattform WikiLeaks geheime Unterlagen des US-Militärs – darunter ein Video, das den Angriff eines amerikanischen Apache-Helikopters in Bagdad zeigte, bei dem Zivilisten und auch zwei Journalisten der Nachrichten-Agentur Reuters ums Leben kamen. Vor dem Ausschuss des Europarates meinte Assange, er sei nicht auf freiem Fuß, weil das System funktioniert habe, sondern weil er sich des Journalismus für schuldig befunden habe. „Es ist schwierig, keine direkte Linie von meiner persönlichen Verfolgung durch die US-Regierung bis hin zu einer Kriminalisierung des Journalismus und dem derzeitigen kühlen Zustand der Redefreiheit zu ziehen“, sagt Assange, der diese Episode als eine Überschreitung des Rubikon beschreibt.