Tunesien
Jahrelange Not erschüttert das Vertrauen in die Demokratie
Das Musterland des Arabischen Frühlings steckt in der Krise: Nach der Entmachtung der tunesischen Regierung durch Präsident Kaïs Saïed befürchten internationale Beobachter einen Rückfall des nordafrikanischen Landes in autokratische Verhältnisse. Doch die politischen Zerwürfnisse zeichneten sich schon lange ab – und wurzeln in einer tiefgreifenden Wirtschafts- und Schuldenkrise, die noch keine der demokratisch gewählten Regierungen in Tunis bewältigen konnte.
Straßenszene in der Avenue Habib Bourguiba in der Hauptstadt Tunis: Nach dem Arabischen Frühling hat sich für die meisten Tunesier nicht wirklich etwas zum Besseren gewendet Foto: AFP/Fethi Belaid
Von der Aufbruchstimmung des Arabischen Frühlings ist in Tunis nur noch wenig zu spüren. Die Schuld dafür trägt, so viel ist für Adel Ben Trad klar, die politische Elite. Die Parteien an der Spitze des Landes „denken nur an sich“, sagt der Metzger, der ein Geschäft auf dem für seine günstigen Preise bekannten Bab-El-Fall-Markt in der Hauptstadt betreibt.