Nahost-Konflikt

Israel greift Beirut und Südlibanon an – deutsche Ministerin bricht Reise ab

Trotz Waffenruhe verstärkt die israelische Armee ihre Angriffe im Libanon. Die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) bricht ihren Beirut-Besuch noch im Landeanflug ab.

Anwohner fliehen aus ihren Häusern, nachdem Israel Angriffe auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angeordnet hat

Anwohner fliehen aus ihren Häusern, nachdem Israel Angriffe auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angeordnet hat Foto: AFP

Israel will seine Angriffe auf die Hauptstadt und den Süden des Libanon nach eigenen Angaben fortsetzen, solange die Hisbollah-Miliz weiterhin israelische Gebiete attackiert. „Wenn es im Norden keine Ruhe gibt, wird es in Beirut keine Ruhe geben“, erklärte Verteidigungsminister Israel Katz am Montag. Die israelische Regierung ordnete neue Angriffe auf südliche Vororte Beiruts an. Katz erklärte, die israelische Armee solle die Region um den Fluss Litani in eine Zone unter israelischer Sicherheitskontrolle verwandeln – „frei von Waffen und Terroristen“. Die Armee gehe mit „Feuer und Manövern“ gegen Hisbollah-Kämpfer und deren Infrastruktur vor, um Bedrohungen für israelische Soldaten und die Bevölkerung im Norden Israels fernzuhalten.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Katz hatten die Angriffe auf den Vorort Dahijeh mit „wiederholten Verstößen“ der Hisbollah gegen die Waffenruhe und „Angriffen auf unsere Städte und Bürger“ begründet. Die südlichen Vororte Beiruts gelten als Hochburg der pro-iranischen Miliz und waren seit April weitgehend von schweren Angriffen verschont geblieben.

Waffenstillstand Bedingung für USA-Iran-Abkommen

Die deutsche Entwicklungsministerin Alabali Radovan brach ihre Reise in den Libanon aus Sicherheitsgründen ab. „Die Reise nach Beirut musste während des Anflugs abgebrochen werden“, teilte eine Sprecherin des Ministeriums der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Entscheidung sei „aus militärischen Gründen“ aufgrund der „sich akut zuspitzenden Lage“ in der libanesischen Hauptstadt getroffen worden. Alabali Radovan reiste zusammen mit ihrem norwegischen Amtskollegen Asmund Gröver Aukrust, sie sollte unter anderem den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun treffen.

Israel weitete unterdessen seine Bodenoffensive im Süden des Libanon aus. Der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee veröffentlichte eine Evakuierungsaufforderung für rund 15 Ortschaften.

In der vergangenen Woche hatte Israel bereits alle Gebiete südlich des rund 40 Kilometer von der israelischen Grenze entfernten Flusses Sahrani zum Kampfgebiet erklärt. Zu dem betroffenen Gebiet zählen die Städte Tyros und Nabatäa. Am Wochenende nahm Israel die mittelalterliche Burg Beaufort ein, was Regierungschef Netanjahu als „entscheidenden Wendepunkt“ bezeichnete. Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die von der Hisbollah allerdings nicht anerkannt wird.

Die USA bemühen sich nach eigenen Angaben um Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters sprach Außenminister Marco Rubio mit Aoun und Netanjahu über die laufenden Gespräche. Washington habe eine „klare Abfolge“ vorgeschlagen: Die Hisbollah müsse zuerst alle Angriffe auf Israel einstellen; im Gegenzug würde Israel von einer Eskalation in Beirut absehen. Weitere von den USA vermittelte Gespräche sind für Dienstag und Mittwoch in Washington geplant. Der Iran erklärte am Montag erneut, ein Waffenstillstand im Libanon bleibe eine wesentliche Bedingung für jedes Abkommen zur Beendigung seines Krieges mit den USA.

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