USA erklären 14-jährigen Schüler zum Terrorrisiko

Iranischer Jugendlicher aus Madrid darf nicht zur UNO

Trotz Bestnoten und monatelanger Vorbereitung wird der 14-jährige Kian von den USA als Terrorrisiko eingestuft. Er darf damit nicht zur UNO reisen. In Spanien sorgt der Fall für Empörung.

Schüler mit Koffer vor Flughafen, dem die Einreise zur UNO-Konferenz zur internationalen Verständigung verweigert wird

Ein Schüler, der zur UNO reisen sollte, um über internationale Verständigung zu diskutieren, darf nicht einreisen Foto: AFP/Kena Betancur

Kian ist 14 Jahre alt, spricht vier Sprachen, hat Bestnoten und hatte sich monatelang auf einen ganz besonderen Auftritt vorbereitet: Als Teil eines Zweierteams sollte er die spanische Hauptstadt Madrid beim UNO-Bildungsprogramm „Global Classrooms“ vertreten. Doch daraus wird nichts. Die US-Behörden verweigerten dem Jugendlichen die Einreise mit Verweis auf Sicherheitsbestimmungen zum Schutz vor „ausländischen Terroristen“.

In Spanien sorgt der Fall für Empörung. Denn Kian ist kein gewöhnlicher Austauschschüler. Der Jugendliche vom öffentlichen Instituto Severo Ochoa in Alcobendas bei Madrid hatte sich in einem anspruchsvollen Auswahlverfahren gegen mehr als 1.600 andere Schüler durchgesetzt. In Interviews und Debatten auf Englisch überzeugte er so sehr, dass er Madrid bei den „Global Classrooms“ vertreten sollte.

Internationales Bildungsprojekt

„Global Classrooms“ ist ein internationales Bildungsprojekt der Vereinten Nationen. Schüler übernehmen dabei die Rolle von Delegierten verschiedener Staaten, simulieren Sitzungen der UNO und debattieren auf Englisch über globale Themen – von Klimapolitik bis Konfliktlösung. Ziel ist es, diplomatische Verhandlungen und multilaterale Zusammenarbeit zu trainieren.

Gerade das macht die Sache so absurd: Ein Schüler, der zur UNO reisen sollte, um über internationale Verständigung zu diskutieren, darf nicht einreisen. „Es ist unfair, dass ich nur wegen meiner Nationalität nicht fahren darf“, sagt Kian im öffentlichen spanischen Radiosender RNE, der über seinen Fall berichtete. „Ich verliere eine einmalige Chance.“

Seine Mutter Nasim schildert einen Besuch in der US-Botschaft in Madrid, wo sie zum Interview geladen waren, als erniedrigend. Nach stundenlangem Warten und einer Gebühr von 200 Euro sei die Entscheidung in wenigen Minuten gefallen. „Sie haben sich keines unserer Dokumente angesehen“, sagt sie. „Man sagte uns nur: Wenn du einen anderen Pass hättest, könntest du reisen.“

Verschärfte Einreisebestimmungen

Der Fall steht im Zusammenhang mit den verschärften US-Einreisebestimmungen für iranische Staatsbürger. Diese wurden bereits während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump eingeführt und werden im aktuellen Konflikt zwischen Washington und Teheran besonders strikt angewendet. Die US-Behörden berufen sich dabei auf Vorschriften zum Schutz vor „ausländischen Terroristen“.

Für Kians Familie ist das unbegreiflich. „Wie kann mein Sohn mit 14 Jahren eine Bedrohung für ein so mächtiges Land sein?“, fragt die Mutter, die in Spanien als Ärztin arbeitet. „Er kämpft doch nur für seine Zukunft.“

Seit sieben Jahren in Spanien

Kian lebt seit sieben Jahren in Spanien. Er spricht Spanisch, Englisch, Persisch und Deutsch, interessiert sich für Geopolitik und internationale Beziehungen und gilt an seiner Schule als außergewöhnlich begabter Schüler. Seine Lehrerin spricht von einem „brillanten“ Jugendlichen mit großem Talent für Verhandlung und Diplomatie.

Nach der Ablehnung des Visums durch die US-Botschaft äußerte sich Kian enttäuscht: „Ein einziges Land sollte nicht die Macht haben, jemandem die Teilnahme an so einem internationalen Programm zu verwehren.“

Seine Lehrerin spricht von einer bitteren Erfahrung. „Wir erklären den Schülern das ganze Jahr, dass Probleme durch Dialog und Diplomatie gelöst werden“, sagte sie. „Und dann erlebt ein 14-Jähriger genau das Gegenteil.“

Die Regionalregierung von Madrid und die Schule versuchten nach eigenen Angaben noch, die Beamten in der US-Botschaft umzustimmen – vergeblich. Die Entscheidung gilt als endgültig. Einen Ersatz für Kian wird es nicht geben. Sein Mitschüler wird Madrid allein bei der Schlussrunde der „Global Classrooms“ in New York vertreten.

Für Kian bleibt vorerst nur die Erkenntnis, dass Leistung nicht immer genügt. „Ich bereue nicht, es versucht zu haben“, sagt er. „Wenn man sich für etwas wirklich anstrengt, geht das nie ganz verloren. Irgendetwas bleibt immer.“

3 Kommentare
JJ 10.04.202614:19 Uhr

Man erinnert sich an die Hetze gegen Kommunisten in der Zeit des kalten Krieges. Die Psychose der Amis gegen alles was nicht an Engel und Wunder glaubt ist ,seit der Landung der Puritaner in "Maryland", nicht ausgeheilt. Die Schwarzen und die Indianer kämpfen noch immer um ihre Rechte.
So sind sie die "Auswanderer" von damals: " Betet ihr vor dem Essen?" - " Nein. Wir kochen selbst."

n'importequoi 10.04.202613:54 Uhr

Man stelle sich vor die USA hätten das mit einem israeli gemacht. Was wäre in den Zeitung und auf politischer Ebene los. Aber hier handelt es sich nur um einen "iraner". Da kann man scho rassitisch in den USA sein. Die einzige Schlussfolgerung der UN wäre, den Sitz in ein demokratisches und liberales Land zu versetzen. So etwas wird sich in den USA immer wieder wiederholen, ob mit Trump oder nicht.

Manfred Reinertz Barriera 10.04.202613:45 Uhr

Könnte es sein, dass der Fehler bei der spanischen Regierung liegt, die ja im Iran Krieg ziemlich unkooperativ war mit Trump's Vorgehen in der Sache.......der alte Diktator Franco wäre sicher da kooperativer gewesen..

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