Niederlande
Gute Laune und viel Energie: Jetten ist Regierungschef in Den Haag
Die Niederlande haben einen neuen Ministerpräsidenten. Rob Jetten ist der Jüngste, der erste offen Schwule und der erste Linksliberale auf dem Posten. Und doch ähnelt er einem seiner Vorgänger.
Handschlag zwischen dem niederländischen König Willem-Alexander (rechts) und Premierminister Rob Jetten während der Unterzeichnung der königlichen Dekrete im Sitzungssaal des Palastes Huis ten Bosch anlässlich der Vereidigungszeremonie des neuen Kabinetts in Den Haag Foto: Koen van Weel / ANP / AFP
Es ist spät am 29. Oktober. Rob Jetten steht inmitten seiner jubelnden Anhänger in einem Meer aus rot-weiß-blauen Flaggen. Er strahlt, streckt die rechte Faust in die Luft und ruft seinen Slogan: „Es geht doch.“ Jettens Partei, die linksliberalen Demokraten 66, kurz D66, hat gerade die Wahl gewonnen.
Als neuer Ministerpräsident der Niederlande stellt Jetten gleich mehrere Rekorde auf: Er ist der erste Regierungschef von D66 und er ist mit 38 Jahren der jüngste. Dazu ist er der erste offen homosexuelle Regierungschef des Landes.
Der Kontrast zum vorigen Wahlsieger, dem Rechtspopulisten Geert Wilders (62), könnte nicht größer sein.
Positive Energie
Der dunkelhaarige sportliche Jetten aus Nimwegen im Osten des Landes, nahe der deutschen Grenze, strahlt positive Energie aus. Statt auf Populismus und Polarisierung setzt er auf Pragmatismus, Zusammenarbeit und ist ausgesprochen proeuropäisch.
Ungemütlich werden könnte sein erster Besuch im Weißen Haus. Jetten nannte US-Präsident Donald Trump einen „verurteilten Kriminellen“ und „eine Gefahr für die internationale Sicherheit und Weltwirtschaft“. Doch er sieht einer - bislang nicht terminierten - Begegnung mit Trump gelassen entgegen: „Sobald wir uns persönlich treffen, gibt es eine Menge zu besprechen.“
„Und es geht doch“
Der neue Regierungschef ist zwar jung, hat aber bereits 20 Jahre politische Erfahrung - erst in der Kommunalpolitik in Nimwegen, dann als Abgeordneter in Den Haag und als Klimaminister unter Regierungschef Mark Rutte, dem heutigen Nato-Generalsekretär.
Er gewann die Wahl mit dem Versprechen einer positiven Zukunft: Sein Slogan „Es geht doch“ ähnelt nicht zufällig dem „Yes, we can“ des einstigen US-Präsidenten Barack Obama. Im weißen Oberhemd, die Ärmel hochgekrempelt, versprach er, Wohnungsnot, Asyl und Migration sowie eine Reform der Landwirtschaft anzugehen.
„Robot Jetten“
Doch für viele ist Jetten auch zu glatt, zu perfekt. „Robot Jetten“ nannte man ihn lange, nachdem er als frischer Fraktionschef 2018 vor TV-Kameras ständig dieselbe einstudierte Antwort gab.
„Immer wie aus dem Ei gepellt“, selbst im Schutzkeller - so erinnert sich der Schriftsteller Tommy Wieringa an einen gemeinsamen Besuch in der Ukraine. „Und immer gute Laune“. Aber Wieringa beschreibt Jetten auch als Inbegriff der Redlichkeit: „Das macht ihn zwar völlig ungeeignet als Romanfigur, aber außerordentlich geeignet für die Aufgabe, die er erfüllen wird“.
Knallhart und charmant
Das denken viele. Jetten verschaffte sich Respekt und Sympathie: Knallhart in Debatten, charmant in Talkshows. Auch seine Liebe zu dem argentinischen Profi-Hockeyspieler Nicolás Keenan kommt gut an. Bei den meisten zumindest. Jetten sprach auch offen über die vielen Hassberichte, die er deswegen bekommen hatte.
Als Chef einer Minderheitsregierung wird Jetten Pragmatismus und gute Laune gut gebrauchen können. Manche ziehen bereits die Parallele zu seinem Vorvorgänger Rutte. Auch der lacht viel, hat eine schier unerschöpfliche Energie und kann mit jedem.